Urlprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. 6s7
lischen Gemeinden, das vom 27. Januar 1875 ab im Landtag
beraten und am 20. Juni 1875 veröffentlicht wurde. Darin
war bestimmt, daß die Vermögensverwaltung einem Kirchen⸗
vorstande von vier bis zwölf Mitgliedern zumeist doch aus dem
Kreise der Laien übergeben werden sollte; dabei sollte dieser
Vorstand bei besonders einschneidenden Beschlüssen an die Zu—
stimmung einer Gemeindevertretung von höchstens vierzig Mit—
gliedern gebunden sein.
Vom Vorsitz in beiden Körperschaften wurde der Pfarrer
ausgeschlossen. Dagegen sollte ein bischöfliches Aufsichtsrecht
in Kraft treten, sobald die Bischöfe in einer dem Staat ge—
nehmen Weise normal ihres Amtes walteten. Solange indes
die bischöflichen Behörden sich weigern würden, dem neuen Gesetze
Gehorsam zu leisten, oder solange die bischöflichen Amter nicht
in gesetzlicher Weise verwaltet oder besetzt sein würden, sollten
diese Aufsichtsrechte an den Staat übergehen.
Die Tendenz dieses Gesetzes war klar: es stärkte wenigstens
für die kirchliche Vermögensverwaltung die schwach gewordenen
Regungen des katholischen Kirchengemeindelebens gegenüber dem
Ubergewicht der Pfarrer; und es entzog die Aufsicht über die
niedere kirchliche Vermögensverwaltung allen Bischöfen, die sich
nicht wenigstens diesem Staatsgesetze fügten: stellte mithin die
Bischöfe vor die Wahl, entweder ihr bisheriges Non possumus
gegenüber dem Staate mindestens in einem Punkte aufzugeben
sder aber den Einfluß auf einen außerordentlich großen Teil
der kirchlichen Vermögensverwaltung zu verlieren.
Und da ergab sich denn, daß die Bischöfe, wenn auch unter
heftigen Protestkundgebungen, nachgaben. Bis zum 28. Juli 1875
hatten zuerst der Fürstbischof von Breslau, dann die anderen
Bischöfe und bischöflichen Verwaltungen die Bereitwilligkeit
zum Gehorsam gegenüber diesem Gesetze ausgesprochen. Damit
war die starre Linie des bisherigen Verhaltens gebrochen, und
so ließ sich auch sonst eine Verständigung erhoffen, zumal inner⸗
halb der Zentrumspartei die konservativen Kräfte unter Führung
Windthorfts gegenüber den radikalen Elementen mehr Raum
gewannen und auch in Rom eine wichtige Veränderung eintrat.