Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

694 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Lapitel. 
und Parlament kaum ausgesprochen worden waren, zu weiteren 
Zugeständnissen zu zwingen. Und hier und da versuchten ihr 
die neu ernannten Bischöfe im alten Sinne der Martin von 
Paderborn, Krementz von Ermland, Ledochowski von Posen zu 
sekundieren. Namentlich der Fürstbischof Herzog von Breslau 
zeichnete sich dabei aus; sogar die alte Streitfrage der Misch— 
ehen hat er zu erneuern gesucht. 
Es war eine Lage ähnlich der im Jahre 1879, da Kardinal 
Nina jene Verhandlungen mit der preußischen Regierung be— 
gonnen hatte, die schließlich an den zu hoch gespannten Forde— 
rungen der Kurie gescheitert waren. Und wiederum war in— 
zwischen die Kurie in weitausgesponnene Verhandlungen mit der 
Regierung eingetreten. Die Möglichkeit dazu war freilich durch 
diese selbst gegeben worden. Bei allem selbständigen parlamen— 
tarischen Vorgehen nämlich hatte Fürst Bismarck doch niemals 
die Möglichkeit außer Augen gelassen, sich mit der Kurie direkt 
zu verständigen: darum waren die letzten Gesetze nur mit zeit— 
lich beschränkter Geltung erlassen worden und hatten der Re— 
gierung innerhalb ihres Bereiches auch sonst eine große Reihe 
diskretionärer Vollmachten gegeben, die entweder ausgeübt oder 
unbeachtet gelassen werden konnten, je nachdem man des einen 
oder des anderen Verfahrens in etwa mit der Kurie spielenden 
Verhandlungen bedurfte. 
Um nun die Möglichkeit einer Verständigung seinerseits 
anzubahnen, hatte Bismarck Mitte 1881 den deutschen Ge— 
sandten in Washington, von Schlözer, der ihm besonders ver⸗ 
traut war und der an der Kurie Bescheid wußte, nach 
Rom gesandt, um durch ihn unter Umständen die abgerissenen 
diplomatischen Fäden wieder anknüpfen zu lassen. Das war 
gelungen; am 1. Februar 1882 war Schlözer als designierter 
preußischer Gesandter nach Rom gegangen, am 4. April erhielt 
er seine amtliche Ernennung. 
Mit diesem Schritte wurde es dem Papste weit eher als 
bisher möglich, in direkte Verhandlungen mit dem Berliner 
auswärtigen Amte und dem Kaiser zu treten. Leo XIII. be— 
nutzte hierzu eine Thronrede des Kaisers bei Eröffnung des
	        
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