Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs. 717
AUnsprung. Verun unrd un⏑——
Erzählung, diese Periodisierung den Rücksichten des Erzählenden
und seiner Zeit, seiner Gegenwart folgt. Oder verläuft nicht
in der Darstellung der deutschen Geschichte, der ich nun die
Arbeit beinahe eines Vierteljahrhunderts gewidmet habe, die
Periodenbildung in einer mit der Annäherung an die Gegen⸗—
wart steigenden Ausführlichkeit? Umfaßt nicht die Darstellung
der beiden ältesten uns bekannten Zeitalter nur je zwei Bände,
die des im Verhältnis zu unserer Zeit vorletzten Zeitalters schon
drei Bände und die selbst nur der ersten Periode des Zeit⸗
alters, dem unsere Tage angehören, gar bereits vier? Da
mag man nun wohl von dem zunehmenden Stoffreichtum
jeder nationalen Entwicklung und so auch der deutschen reden —
imd es ist gewiß, daß die Fülle des Geschehens mit steigenden
Zeitaltern sich in der Tat nicht in die Enge spitzwinklig zu—⸗
inander verlaufender Schranken fassen läßt, sondern sich un—
endlich erbreitert, so daß kaum Grenzlinien stumpfen Winkels
sie fassen können —: immer aber bleibt bestehen, daß, was uns
näher liegt, uns auch im Einzelnen, Zufälligen, Individuellen
mehr fesselt. Und so sind in diesem letzten Halbband, inner⸗
halb des politischen Verlaufes, Dinge erzählt worden, die, selbst
bei gleich ausführlicher Überlieferung, sicherlich nicht Erwähnung
gefunden hätten, hätte ihr Verlauf etwa der Zeit der Mero—
wingen, ja sogar den Zeiten und dem Leben etwa Karls des
Großen angehört. Die historische Perspektive, wenigstens soweit
wie wir sie gewöhnt sind, ist eben eine verzerrte, indem sie sich nach
ckwärts unendlich rasch verkürzt: und nicht einer nationalen,
sondern nur einer universalen Betrachtung und historischen
Kunst allein wird es vielleicht einmal gelingen, an die Stelle
der gebräuchlichen hier richtigere — wenn auch wahrscheinlich
nicht schon so bald die richtigen Verhältnisse und Maßstäbe
zu setzen.
Allein auch abgesehen von dieser Besonderheit selbst noch
der jüngsten geschichtlichen Darstellungs⸗ und Auffassungsform:
läßt sich denn in Wahrheit das geschichtliche Geschehen so in
Zeitabschnitte gliedern, daß diese gerade in der Gegenwart in
holl befriedigender Weise aufgehen? Ist nicht alle Periodi—