Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

720 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel. 
in diesem Gefühl uralten Besitzes und unverjährbarer Rechte 
und doch wieder reichster Erwartung und entschlossener Hoff⸗ 
nungen wollen wir in inniger Empfindung zu allem stehen, 
was deutsch heißt an Land und Leuten immerdar. 
Ja wir lieben dich, du deutsches Vaterland, du Träger 
und du Schoß für uns alles in heimlicher Nähe Großen, du 
Hort unserer Jugend und du Stolz unserer Manneszeit. Wir 
lieben dich, wie man Weib und Kind liebt; und wer von deinen 
Söhnen uns in der Fremde begegnen mag, er sei uns Freund 
und Verwandter. Und wenn wir deine blauen Berge durch⸗ 
wandern im Sonnenblick des Frühlings oder in den Nebel— 
schleiern des Herbstes, dann möchten wir dich wohl segnen mit 
den Wünschen jener Vielerfahrenheit und jener allem Menschlichen 
anhaftenden, tätig schaffenden Selbstbescheidung, die die Keuntnis 
langer Vergangenheiten deiner Geschichte uns als kostbarstes 
Besitztum darreicht. Mögen noch späte Geschlechter unserer Ab⸗ 
kunft treu und kraftvoll in dir walten, immer höher und höher 
steigend in allem, was menschlich heißt und gut; mögest du 
reich sein an Frucht und Wein wie vor alters; mögen in dir 
geschäftig sich Räder drehen und unablässig Kräfte deinen Ein— 
geweiden entlodern: mögest du ruhmvoll und stark ein menschlich 
würdiges Geschlecht nähren bis ans Ende der Zeiten!
	        
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