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Nachwort.
völlig entgegentreten kann. Für den Verfasser freilich liegt der
Fall umgekehrt. Ich habe keinem Gegenstande von Anbeginn an
größere Aufmerksamkeit geschenkt; ich habe gemeint, an der
völligen Lösung dieser Frage hänge eigentlich das letzte und
sicherste Verständnis; und ich habe in dieser Hinsicht ohne Wanken
Grundsätze verfolgt, die ich auch dann nicht fallen lassen konnte,
als sich aus ihnen in der Darstellung der späteren Zeitalter eine
beträchtliche Erweiterung des ursprünglichen Ausmaßes der
Schilderung ergab. Das System dieses grundsätzlichen Auf⸗
baus aber wird dem leicht entgegentreten, der sich an der Hand
der Einteilungsübersicht, die wie früheren Bänden so auch diesem
vorgedruckt ist, den Rhythmus der Band-, Buch- und Kapitel⸗
einteilung im Verhältnis zu dem jeweiligen historischen Gehalte
der einzelnen Zeitalter und Perioden vergegenwärtigt.
Indes wie das beste Kennzeichen des Einzelnen nicht sein
Beruf und seine Tätigkeit, überhaupt seine Sachlichkeit ist,
sondern sein im weitesten Begriffe der Liebe aushallendes
Menschentum, so möchte ich von diesem Opus quinque lustrorum
nicht mit Erläuterungen, sondern mit Empfindungen Abschied
nehmen. Es sind Empfindungen vor allem des Dankes. Ich
bin in diesen Jahrzehnten niemals ernsthaft krank gewesen.
Wohl haben mich Kämpfe angegriffen — und wer weiß, ob
jeder Schlachtenmut an die zähe Energie heranreicht, die der
Gelehrte in wissenschaftlichen Kämpfen erweisen muß —; aber
diese Kämpfe haben mich auch gestählt und gebessert. Und
wohl habe ich das Schlimmste gefunden, was jedem Fortschritt
entgegentritt: Gegensatz aus dem Bedürfnis persönlicher Macht—
erweiterung und passiven Widerstand; aber ich habe einsehen
gelernt, daß wenigstens der passive Widerstand sein geschichtliches
Recht hat, und daß ihn selbst bei schärfster Beurteilung grund—
sätzlich nur Unzulänglichkeit kennzeichnet.
So bin ich ruhig geworden an diesem Buche — ruhig und
dankbar. Und aus dieser Stimmung heraus, die zugleich wohl
auch die des Fünfzigers überhaupt sein mag, frage ich mich
wohl manchmal nicht nur, ob ich, finge ich noch einmal an,
nicht vieles ganz anders machen würde — was selbstverständlich