492 J— fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
zuführen. Demgemäß nahm er an und sprach sich auch wieder—
holt unbefangen in diesem Sinne aus, daß er selbst schwerlich
noch diese Einheit erleben werde. Und dementsprechend glaubte
er auch die Reform des Bundes nur langsam, nicht drängend
betreiben zu können. Er begnügte sich daher, zunächst nur
einen sehr wichtigen, für ihn den wichtigsten Punkt heraus—
zugreifen, die Reform der Bundeskriegsverfassung. Er schlug
hier vor, im Kriegsfall die beiden nördlichen Bundeskorps unter
preußische, die beiden südlichen unter österreichische Fuhrung zu
stellen, von der Ernennung eines gemeinsamen Bundesfeldherrn
aber abzusehen. Dieser preußische Antrag wurde nun im Mai
1860 vom Bundestag abgelehnt. Damit war aber die Frage
noch nicht endgültig erledigt. Zur Zeit dieser Ablehnung
empfand Napoleon das lebhafte Bedürfnis, wegen der Ent—
wicklung der Dinge in Italien, sich auf Preußen zu stützen und
regte deshalb eine Begegnung mit den Prinzen von Preußen
zu Baden-Baden an. Die Kunde davon erregte bei den deutschen
Fürsten mannigfache Beklemmungen, der König von Bayern
scheute sich sogar nicht, mit dem Redakteur der „Augsburger
Allgemeinen Zeitung“ die Frage zu erörtern, ob Preußen
das Rheingebiet preisgeben werde. Um solche Angste zu ver⸗
scheuchen, lud der Prinzregent auf Ansuchen des Königs von
Hannover auch die deutschen Souveräne zu der Zusammenkunft
ein. Sie fand vom 15. Juni 1860 ab in Baden-Baden statt.
Für Napoleon verlief sie erfolglos; der Prinzregent erwies sich
nicht als geneigt, auf die lüstern angedeuteten Wunsche Napoleons
nach Besitz und Einfluß in deutschen Landen einzugehen. Die
Folge war eine kleine Entfremdung zwischen Preußen und
Frankreich, der dann eine Annäherung zwischen Preußen und
Hsterreich parallel ging. Zugleich aber trugen die deutschen
Fürsten durch König Max von Bayern am 19. Juni dem Prinz—
regenten ihre Wünsche wegen der Militärverfassung des Bundes
vor. Sie wünschten eine Dreiteilung des Heeres, und das
hieß ihnen eine preußische, eine österreichische und eine bundes—
staatliche Armee: die Unterstellung der Bundeskorps unter
preußische und österreichische Führung sei mit ihrer Souveränität