Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

406 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
die Fürsten doch nicht im Detail beraten, sondern im wesent— 
lichen nur schon Beratenes genehmigen. 
Allein Osterreich nahm auf diese Einwendungen keine Rück— 
sicht; der Termin blieb der 16. August: — und alle Fürsten kamen 
nach Frankfurt, ausgenommen die von Lippe, Anhalt-Bernburg 
und Holstein — und ausgenommen den König von Preußen. 
Am 17. August begannen die Beratungen, die der Kaiser 
geschickt und wirkungsvoll, mit all dem schlichten Enthusiasmus, 
dessen er fähig war, leitete. Vor allem aber ergab sich doch als— 
hald die Notwendigkeit, den König Wilhelm, der in Baden-Baden 
weilte, herbeizuladen. König Johann, der mit dem König be— 
freundet war, ging zu diesem Zwecke nach Baden-Baden: — allein 
der König kam nicht, trotz aller persönlichen Neigung dazu, nach 
äußerst energischem Kampfe mit Bismarck. 
In Frankfurt blieb jetzt nichts übrig, als trotzdem weiter vor⸗ 
wärts zu gehen. Der österreichische Entwurf, der ein Direktorium 
von fünf Stimmen (Osterreich, Preußen, Bayern und zwei 
durch die größeren Territorialstaaten gewählte Mitglieder) 
sowie einen Bundesrat mit je einer Stimme für die kleinen 
Staaten, je drei Stimmen für Österreich und für Preußen: 
— V0 
sterreichs, vorsah, wurde am 1. September 1863 angenommen; 
vierundzwanzig Stimmen sprachen sich dafür aus, sechs dagegen 
Baden, Schwerin, Weimar, Luxemburg, Waldeck, Reuß j. L.). 
Darauf betonte man die Bereitwilligkeit, die neue Verfassung 
ins Leben zu führen und dazu zunächst die nicht vertretenen 
Bundesfürsten, vor allem Preußen, zu gewinnen. 
An Preußen kam die Anfrage sofort. Sie wurde am 22. Sep⸗ 
tember dahin beantwortet, daß man nur beitreten könne, wenn 
Preußen wie Hsterreich das Vetorecht gegen jeden Bundeskrieg er⸗ 
hielte, wenn weiter Preußen mit Osterreich im Präsidium der 
obersten Bundesbehörde zum Wechsel zugelassen würde, und weun 
endlich für den Bund ein aus direkten Wahlen hervorgegangenes 
Parlament zur Einführung gelangte. Es war eine Antwort, mit 
der nach Lage der Dinge die Beschlüsse des Frankfurter Fürsten⸗ 
tages abgelehnt waren.
	        
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