Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 407 
Es fragte sich: Was nun? 
Und da ergab sich denn sehr bald, daß die kleinen und 
mittleren Mächte keineswegs einen Bund wünschten, der sie 
unter Hsterreichs Führung allein gebracht hätte: sie fanden 
am besten für sich gesorgt, wenn Osterreich und Preußen sich 
die Wage hielten: „Will uns denn Österreich kaput machen?“ 
hatte König Georg V. von Hannover schon vor der Frankfurter 
Versammlung, auf die Kenntnis der Pläne des Kaisers hin, gefragt. 
Mithin legten sie jetzt für Osterreich keine besondere Begeisterung 
mehr an den Tag. Vielmehr wünschten sie, daß Österreich und 
Preußen sich verglichen. Das gleiche wurde aber Hsterreich auch 
durch die internationale Lage nahegelegt. Der Kaiser stand 
damals fast isoliert, während Preußen die Sympathien Frank—-— 
reichs und Rußlands besaß: Frankreichs deshalb, weil Napoleon 
nichts von einem großdeutschen Siebzigmillionenreiche wissen 
wollte, Rußlands aber, weil Preußen die einzige europäische 
Macht gewesen war, die Rußland während des großen polnischen 
Aufstandes von 1863 rückhaltlos unterstützt hatte. 
Und so war denn die Konsequenz des Frankfurter Fürsten⸗ 
tages anders, als geplant gewesen war, ja den Erwartungen 
Osterreichs völlig entgegengesetzt. Es kam zu keiner Bundes— 
reform nach den Wünschen Österreichs trotz aller fürstlichen Be— 
schlüsse, vielmehr wurde sterreich durch legitimistisch-nationale 
wie internationale Rücksichten zur Anlehnung an Preußen ge— 
trieben. Und dies war dann die Konstellation, mit der man 
dem Jahre 1864, dem Jahre des schleswig-holsteinschen Krieges, 
entgegenging. 
Fragt man sich aber, aus welchen innersten Gründen die 
—DDDDD— 
der Spitze, den Bund zu reformieren, scheiterte und Preußen 
in dem Hin und Her dieser Aktionen schließlich recht behielt, 
so wird man zu Erwägungen geführt, die für Osterreich wie 
für Preußen gleich charakteristisch sind. 
Im Grunde waren beide Mächte, wie auch schon die poli— 
tische Offentlichkeit und die meisten deutschen Fürsten, davon 
überzeugt, daß die Bundesverfassung unreformierbar sei. Was
	        
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