Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

422 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
einziges und homogenes Reich bis zur Eider reichen sollte, und 
dann die Begründung eines nordischen Großreiches aus Däne— 
mark, Schweden und Norwegen. Sie betonte diese Ziele, unter der 
Führung des Advokaten Orla Lehmann, des Philologen Madvig 
und des Bischofs Monrad klar seit etwa 1836. 
Im Jahre 1839 starb König Friedrich VI.; es folgte ihm 
zunächst sein Vetter Christian VIII., der vorletzte männliche 
Sproß des Königshauses. Mit dem Tode seines Sohnes 
Friedrich (VII.) mußte also die Erbfolgefrage einmal absolut 
brennend werden, und so begreift es sich, wenn der neue König 
die Lage in dieser Hinsicht alsbald für Dänemark möglichst 
günstig zu gestalten suchte. Zu diesem Zwecke war er einmal 
bestrebt, die Realunion der Herzogtümer mit dem Königreich 
fester durchzubilden: führte in Schleswig-Holstein dänisches 
Geld ein, löste die besondere Armee der Herzogtümer auf usw. 
Ferner aber ließ er es zu, daß im Oktober 1844 auf dem 
dänischen Landtage zu Roeskilde der Beschluß gefaßt wurde, 
der König möge erklären, die dänische Monarchie sei ein un— 
teilbarer Staatt, und schritt demgemäß zu einer solchen Er— 
klärung in dem Offenen Briefe vom 8. Juli 1846. 
Hiergegen protestierten nun die Herzogtümer und die 
Agnaten von Oldenburg und Augustenburg sowie von Glücks— 
burg mit Ausnahme des Prinzen Christian, und es protestierte 
weiter das deutsche Volk in den Kammern der Einzellandtage, 
in Vereinen und Körperschaften; ja, es protestierte sogar der 
Bundestag. Allein sofort zeigte sich auch, daß die Durchführung 
dieser Proteste auf starke Schwierigkeiten stoßen würde. Die 
Großmächte hatten ein Interesse an der Erhaltung des gesamten 
Dänemarks. England, weil es die Deutschen nicht Herren der 
Ost- und Nordsee werden lassen wollte, zudem fürchtete, Ruß— 
land werde das verstümmelte Dänemark völlig in seine Ab— 
hängigkeit bringen; Rußland, weil es umgekehrt annahm, ein 
verkleinertes Dänemark werde sich unter Ausschluß jedes russischen 
Einflusses der standinavischen Union in die Arme werfen. 
Diesen Antipathien sollte sich nun die Bevölkerung Schles— 
wig⸗Holsteins, die Energie des deutschen Bundestages und schließ—
	        
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