Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 427
Bundestage den Rechtsgrund seiner Exekution zu nehmen. In
der Tat fiel damit der formelle Grund zur Exekution; zugleich
aber wurden damit die Versprechungen von 18852 erst recht
illusorisch gemacht: es war also erst recht der volle Bruch mit
Deutschland.
Er vollzog sich in den Novembertagen 1863. Am 13. No—
vember kam die neue Verfassung im dänischen Reichsrat zur
Annahme; am 18. November starb der alte König Friedrich VII.;
ihm folgte jetzt der Glücksburger, Protokollprinz“ als Christian IX.,
und es war sein Verhängnis, daß er fast als ersten Regierungsakt
den schweren Schritt tun mußte, diese Verfassung zu unter—
zeichnen. Zwar zögerte er, überzeugt von den verhängnisvollen
Folgen des Schrittes; aber der Minister Hall, bestimmte ihn
schließlich dazu durch den Hinweis auf die Volksscharen, die
das königliche Schloß drohend umringten, und durch die Er—
klärung, daß er bei Weigerung des Königs für dessen Thron
und Leben nicht einzustehen vermöge.
Gleichzeitig aber trat auch noch ein anderes schwerwiegendes
Ereignis ziemlich unerwartet ein. Während man zumeist ge—
zlaubt hatte, die Augustenburger hätten endgültig auf ihre
Thronfolge in Dänemark verzichtet, verkündete jetzt, mit dem
Aussterben der dänischen Manneslinie, der Sohn des Herzogs
Christian von Augustenburg, als durch den Vertrag seines
Vaters nicht gebunden, seine Nachfolge in Schleswig-Holstein
als Herzog Friedrich VIII. Sein Manifest wurde in Schleswig,
wo man von Christian IX. deutsche Reformen erwartete, ge—
eilten Herzens, in Holstein mit brausendem Jubel aufgenommen.
Aber bald schlug auch in Schleswig die Stimmung um; überall
huldigte man dem Augustenburger.
All diese Vorgänge zümdeten aber in Deutschland fast noch
mehr als in den Herzogtümern. Hier schien nun einmal alles
aufs herrlichste zusammenzufallen: die Forderungen fürstlicher
Legitimität, die nationalen und die freiheitlichen Bestrebungen.
Sogar vom Bundestag und seinen Mitgliedern versah man sich
großer Schritte. Die einzelnen kleinen Regierungen zögerten
in der Tat vielfach nicht mit bindender Aussprache J Sym⸗
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