432 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
möge, und daß man dabei auch nur in gemeinsamem Ein—
verständnis sich lossagen wolle von dem „Prinzip der Er—
haltung der dänischen Monarchie in ihrem bisherigeu Bestande
und von der durch den Londoner Vertrag eingegangenen Ver—⸗
bindlichkeit, die Erbfolge des Königs Christian anzuerkennen“.
Demgegenüber formulierte Bismarck folgende Fassung: es sollten
für den Kriegsfall mit Dänemark, der alle bisherigen Verträge
hinfällig mache, die künftigen Verhältnisse der Herzogtümer nur
im gegenseitigen Einverständnisse der beiden Großmächte fest—
gestellt werden, so namentlich auch in der Frage der Erbfolge.
Und in dieser Form wurde die Bestimmung von OÖsterreich an—
genommen.
Mit der offenen Verkündigung dieser Abmachung im
Bundestage war die Aktion des Bundes lahmgelegt; mit der
Mitteilung des Ultimatums an Dänemark am 16. Januar und
seiner abschläägigen Beantwortung am 18. Januar war der
Krieg eröffnet.
Die Stimmung der Nation war in diesem Momente äußerst
düster, ja verzweifelt. Am Bundestage war man außer sich.
Die öffentliche Meinung in sterreich protestierte; im Reichsrat
wurde die neue Politik am 30. Januar aufs heftigste an—
gegriffen. Man glaubte nicht anders, als daß die beiden
Großmächte die Herzogtümer von neuem an Dänemark aus—
liefern wollten. Bismarcks Pläne gar lagen völlig im Dunkel,
auch für Osterreich. Indes jetzt war keine Zeit mehr zu Be—
denken: die bisher unerhörte Tatsache stand fest, daß Osterreich
und Preußen gemeinsam in einen Krieg für eine nationale
Sache zogen.
Am 20. Januar 1864 übernahm der achtzigjährige preußische
General Graf Wrangel den Oberbefehl über die gemeinsamen
Streitkräfte. Treuherzig und tapfer, aber umständlich und alt,
war er freilich ein im Grunde wenig geeigneter Feldherr. Unter
ihm standen drei Heereskörper, im ganzen siebenundfünfzigtausend
Mann: die sechste und dreizehnte preußische Division unter dem
Prinzen Friedrich Karl, das österreichische Korps, meist Nicht—
deutsche, unter General von Gablenz, einem in österreichische