144 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Von diesem Standpunkte aus begann Graf Mensdorff, der
Nachfolger Rechbergs, in der Tat seine diplomatische Aktion.
In drei Erlässen vom 12. November 1864, die zur Mitteilung
an Preußen bestimmt waren und die sich auch im Tone von
den früheren Noten Rechbergs merklich unterschieden, wurde der
Augustenburger als künftiger Herzog von Schleswig⸗Holstein
namhaft gemacht, jede starke Beugung der herzoglichen Gewalt
unter preußische Bedingungen abgelehnt und Preußen vor⸗
geworfen, es versuche die Angelegenheit der Herzogtümer zu
verschleppen. Dem folgte dann die Einladung, Preußen möge
dem Augustenburger näher treten und ihm gemeinsam mit
sterreich die im Wiener Frieden erworbenen Rechte über—
tragen. Indes dieser Vorschlag kreuzte sich schon mit einem
ganz anderen von preußischer Seite. Von preußischem Stand⸗
punkte aus mußte es vor allem darauf ankommen, jedes Einreden
des Deutschen Bundes in die schleswig⸗holsteinsche Angelegenheit
zu vermeiden. Nun standen aber immer noch die sächsischen
und hannoverschen Truppen der Bundesexekution in Holstein.
Sie vor allem mußten also entfernt werden. Hierzu und zur
Herbeiführung eines entsprechenden Bundesbeschlusses forderte
Zigmard die Beihilfe Osterreichs: man durfte sagen, mit Recht,
nachdem der König von Dänemark seine Rechte in Schleswig⸗
Holstein auf die beiden deutschen Großmächte übertragen hatte.
Hsterreich versagte zunächst diese Beihilfe. Aber Bismarck
tieß sich nicht irre machen. Er ging mit Drohungen gegen die
Staaten der Bundesexekution vor, brachte dadurch auch Hster⸗
reich notgedrungen zu seinen Anschauungen, und am 5. Dezember
1864 beschloß der Bundestag die Zurückziehung der Exekutions⸗
truppen aus Holstein. Es war ein erster Sieg der preußischen
Politik: jetzt war die schleswig-⸗holsteinsche Sache zunächst nur
eine solche der beiden deutschen Großmächte.
Zu deren Ordnung ergriff dann Bismarck am 138. Dezember
1864 die Initiative. Er teilte dem Wiener Kabinette mit, im
Interesse Preußens liege am meisten die auch sonst aus natio⸗—
nalen Anschauungen her vielfach gewünschte Annexion der Herzog⸗
zümer; doch wolle Preußen auch andere Lösungen, so die olden—