Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 445
burgische und die augustenburgische Kandidatur, nicht aus—
schließen, obwohl klar sei, daß ein völlig unanfechtbares Erbrecht
weder der einen noch der anderen zur Seite stehe. Nur müsse
im Fall der Durchführung einer solchen Kandidatur Preußen
sich gewisse Garantien ausbedingen. Mit ihrer Formulierung
seien die Fachminister beschäftigt; er werde sie so bald als
möglich mitteilen.
Während damit die genaueren preußischen Forderungen,
so ungeduldig sie erwartet wurden, einstweilen im Dunkeln
blieben, bildete sich die Stimmung in den einzelnen Bundes⸗
staaten bald deutlicher aus. In Hsterreich war man von den
Mitteilungen Bismarcks wenig erbaut; Sachsen, Darmstadt und
eine Reihe kleinerer Staaten sowie die populäre Stimmung in
Süddeutschland war entschieden für den Augustenburger; die
preußische Annexion wünschten mehr oder minder bedingungs⸗
los Oldenburg, Hannover und Kurhessen, auch Varnbüler, der
führende Minister in Württemberg, würde ihr nicht abgeneigt
gewesen sein.
Endlich, erst am 22. Februar 1865, gingen die preußischen
Forderungen nach Wien ab. Sie erörterten, daß Preußen die
uͤbertragung der Landeshoheit an keinen Landesherrn dulden
könne, der sich nicht Preußen gegenüber zu den folgenden Zu⸗
geständnissen verstehe: Heer und Flotte müßten als ein Teil
der preußischen Kriegsmacht dem König von Preußen als Kriegs⸗
herrn unterstellt werden; die Rekruten seien von preußischen
Beamten auszuheben, die schleswig-holsteinschen Regimenter
eventuell in preußische Garnisonen zu verlegen. Rendsburg
solle Bundesfestung mit preußischer Besatzung werden. Ein zu
erbauender Nord⸗Ostseekanal habe unter preußischer Aufsicht zu
stehen; seine Mundungen sowie Friedrichsort und Sonderburg⸗
Düppel seien an Preußen abzutreten. Nicht minder sei das
Post⸗ und Telegraphenwesen an Preußen zu übertragen. Diese
lange Reihe von Bedingungen beschloß endlich die mehr selbst—
verftändliche Forderung des Anschlusses der Herzogtümer an den
Zollverein.
Im ganzen waren es Forderungen, die der Mediatisierung