146 Funfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
der beiden Herzogtümer nahe kamen; erregten Tones erklärte
man in Wien ihre Bewilligung als unmöglich; und ähnlich war
das Urteil auch in den anderen Bundesstaaten.
Damit waren denn die Verhandlungen auf einen toten
Punkt gelangt; für ihren Verlauf war es bezeichnend, daß sich
Bismarck am Tage der Ablehnung der preußischen Vorschläge
durch Osterreich, am 27. Februar, von Moltke ein Gutachten
uͤber Osterreichs Streitkräfte erbat: ein erstes drohendes Vor⸗
eichen der Ereignisse des Jahres 1866. Einstweilen aber blieb
für die Herzogtümer nichts übrig als eine österreichisch-preußische
Bemeinherrschaft.
Es war eine Lage, von der Bismarck hoffte, sie werde all⸗
mählich unter Zurücktreten der österreichischen Ansprüche von
selbst zu einer preußischen Herrschaft führen, zumal er schon
längst mit der Bildung einer preußischen Partei in den Herzog⸗
tuümern beschäftigt war. Indes diese Hoffnung sollte sich als
trügerisch erweisen. Gegenüber den Versuchen Preußens, sich
in den Vordergrund zu schieben, stützte sich Osterreich auf den
im Lande anwesenden Augustenburger und dessen Partei, die sich
der vollen Sympathien der Bevölkerung erfreute, sowie auf den
allgemein verbreiteten Widerwillen gegen die preußische Annexion
mit drohenden Steuererhöhungen und allgemeiner Dienstpflicht.
Bei Ausführung positiver Maßregeln endlich pflegte der öster⸗
reichische Kommissar dem preußischen direkt zu widersprechen,
wenn er sie für gefährlich ansah: so daß bei sich aufhebenden
Anschauungen jedes Ergebnis ausblieb.
Und in diese für Preußen an sich schon sehr prekäre Lage
schien noch ein neues Moment des Unbehaglichen zu kommen
durch Maßnahmen, die Bayern und Sachsen für den Bundestag
horbereiteten. Sie wollten anregen, man möge von Bundes
wegen bei den deutschen Großmächten Auskunft über Schleswig⸗
Hholstein verlangen und zugleich die Einsetzung des Augusten⸗
burgers empfehlen.
nllein als man in Berlin hörte, daß sich Osterreich im
März 1865 mit diesem Antrage einverstanden erklärt habe,
vußte man dies Moment vielmehr zur Brechung einer Bresche