Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 447
in die unhaltbar werdende Situation zu benutzen. Bismarck
sah in dem Verhalten Hsterreichs eine Verletzung der früheren
zsterreichisch-preußischen Abmachungen, wonach beide Mächte nur
gemeinsam über die Herzogtümer verfügen wollten, und be—
antwortete sie mit einer königlichen Order vom 24. März 1868,
welche die preußische Marinestation eigenmächtig von Danzig
nach Kiel verlegte. Es war der Scheideweg der österreichischen
und preußischen Politik. Bismarck hatte davon das klarste
Bewußtsein: „Unsere Fahrbilletts lauten auf divergierende
Linien.“ Und Hsterreich, das gegen diese Order Einspruch erhob,
erhielt die sarkastische Antwort: es bleibe ihm ja unbenommen,
ein gleiches zu tun.
Die emportauchende Differenz wurde durch den Umstand
noch verstärkt, daß der Bundestag nun der Sache nach in der
Tat den sächsisch-bayerischen Antrag annahm. Die Dinge spitzten
fich damit so zu, daß man schon Ende Mai 1865 den Aus⸗
bruch eines Krieges zwischen Hsterreich und Preußen nicht zu
—VV Zweimal hatte sich Preußen
m 19. Jahrhundert dem Gängelband der österreichischen Politik
gefügt: unter Metternich geschmeichelt, unter Fürst Schwarzen⸗
berg gezwungen: würde es jetzt zum dritten Male nachgeben?
Jismard war nicht der Mann, das zu tun. Er drängte
zu einem Ultimatum; schon in seiner Haltung während eines
Ministerrates am 29. Mai trat das deutlich hervor, wenn auch
der König den Ratschlägen, wie sie von ihm und Moltke ver—
eint gegeben wurden, zu folgen noch zögerte. Eine erneute
Prüfung der Erbansprüche des Augustenburgers durch das
preußische Kronsyndikat führte Ende Juni zu dem Ergebnis, daß
sie nicht in erster Linie in Betracht kämen: so strich Preußen
den Augustenburger von der Liste und verlangte von Osterreich
dessen Entfernung aus Holstein. König Wilhelm schrieb in
dieser Sache am 30. Juni eigenhändig an den Kaiser Franz
Joseph: wie sich denken ließ, ohne Ergebnis. So blieb nichts
übrig, als ein formelles Ultimatum zu stellen. Zu dessen Vor⸗
beratung hielt König Wilhelm auf seiner Reise von Karlsbad
nach Gastein am 21. Juli 1865 einen Ministerrat in Regens⸗