thumbs: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Die Bodenverhältnisse und ihre wirtschaftlichen Folgen. 133 
nissen ab: in Agypten sind es nur 21/2, in Japan nur 1600; in dem reichen Britisch⸗ 
Indien sind von 427 154 Quadratmeilen 190 842 unbebaubar. In unseren Breiten 
sind die Anteile meist größer: im Kanton Uri sind freilich nur 28, in Finnland 37, in 
storwegen 47, in der Schweiz schon 69 und in den meisten deutschen Staaten 80 — 90 00 
der Jand- und forstwirischastlichen Kultur zugänglich. Noch tieferen Einblick in die 
Wirkung der Bodenverhältnifse giebt die Statistik der landwirtschaftlichen Kulturarten, 
der Anbauflächen der einzelnen Früchte, der guten und schlechten Böden: die günstigen 
dehmboden machen z. B. in Pommern 6, in Westfalen 4190 aus. 
Die höhere, vielseitige wirtschaftliche Kultur, welche Ackerbau, Gewerbe und leben—⸗ 
digen Verkehr verbindet, ist meist nur in den Vorbergen und Stufenländern mit ihrer 
Vielgestaltigkeit des Bodens zu Hause. Gewisse Hochplateaus sind seit Jahrtausenden auch 
in den Händen der höheren RKassen nicht über Nomadenwirtschaft hinausgekommen. Die 
Gebirge lassen im Süden höher hinauf einen gewissen Anbau und einen gewifsen Wohl⸗ 
stand zu; im ganzen aber habem sie doch stets mit ihrer Weide— und Waldwirtschaft 
qur eine spärliche Bevölkerung kümmerlich ernährt. Bloß vereinzelt hat Haus— und 
Fabrikindustrie in den Bergen Platz greifen können: vereinzelt haben wertvolle Erze 
Wohlstand ja Reichtum geschaffen. 
Eigentlich das Beste, was die Wissenschaft bisher über den Zusammenhang der 
Bodenverhältnifse mit der wirtschaftlichen Entwickelung geschaffen, liegt in den Special⸗ 
untersuchungen über einzelne Lünder und Gegenden, wie sie z. B. die von Cotta für 
Sachsen, von Haxthausen für Westpreußen, von Buckland für England, von Gothein 
ür Baden uns uͤeserten. Aber ebenso bedeuteten die mehr allgemeinen Untersuchungen 
von Kohl über die Abhängigkeit der Verkehrslinien von der Erdoberfläche und über die 
hiemit gegebenen Standorte der Städte einen erheblichen Fortschritt im Sinne der Einzel— 
rkenntnis Ihnen schließen sich neuerdings eine Keihe Monographien jüngerer Geographen 
nit ähnlichen Tendenzen an. Ratzel und A. Hettner haben diese Studien sehr lehrreich 
zusammengefaßt. Man wird als Ergebnis von all' diesen Untersuchungen sagen können: 
Das einzelne der Lage von Städten, Dörfern und Hösen, das Alter ihrer Gründung 
und Eutwickelung, vielfach auch die Planlegung der Fluren, die Zeit und der Ort der 
Waldrodung, die Wegelinien, das Entstehen der verschiedenen Hauptgewerbszweige da 
ind dort, die Verknüpfung der Siedelungen, Gewerbe und Verkehrslinien mit Quellen, 
Wasserlinien, Seen und Küsten — kurz all' dieses einzelne wird nur der voll verstehen, 
der außer den historischegesellschaftlichen Ursachen mit der geologischen und topographischen 
Karte in der Hand die natürlichen Bedingungen der Volkswirtschaft eines Landes studiert. 
Außerdem ergeben sich hieraus eine Anzahl allgemeiner volkswirtschaftlicher Wahrheiten, 
„. B. daß die Dörfer und Landstädte in ihrer Lage und Entwickelung mehr von der 
lopographischen Beschaffenheit des Ortes selbst und der allernächsten Umgebung, die 
groͤßeren Städte mehr von den natürlichen Bedingungen des Landes, den Strömen, den 
Rrenzen im ganzen bedingt sind; daß alle Landwege, je weiter wir zurückgehen und 
mit unvollkommener Technik rechnen, sich dem Boden, der Erhebung, den Pässen, den 
Landrücken anschmiegen, daß auch bei höherer Kultur alle Entwickelung des Wegewesens 
von dem Bodeu abhaͤngig ist, daß stets Siedelungen und Wege gegenfeitig sich natürlich 
bedingen; daß das Vorkommen von Gold und Silber, von Kupfer und Eisen, von Zink 
uind Zinn, besonders wenn es sich um reiche Erze handelt, von Salz und Salzquellen 
seit alten Zeilen, das von Stein- und Braunkohle, von Hlquellen und ähnlichen Stoffen 
in der neueren Zeit den Anstoß zu blühendem Bergbau, zu reichem gewerblichen Leben 
geben konnte und kann. Aber alle derartigen Wahrheiten sind so allgemeiner und be— 
sannter Natur, daß man sie kaum als neue wissenschaftliche Errungenschaften bezeichnen 
fann. Man muß sie nur für das Einzelverständnis der wirtschaftlichen, historisch oder 
geographisch zu betrachtenden und zu vergleichenden Zustände im Auge behalten. Hie—⸗ 
ur erweisen fie sich als ein fruchtbarer Schlüssel der Erkenntnis. 
Vielleicht am allermeisten gilt dies bezüglich des Vorkommens von Wasser, wie 
es durch die Bodenkonfiguration sich gestaltet; ich meine die Verteilung der Quellen, 
Bäche, Flüsse, Seen und Meeresküsten. Ich möchte hierüber noch ein Wort hinzufügen,
	        
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