Full text : Anhang. Bibliographie. Register (Bd. 12 = Schlußbd.)

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Anhang.

der übersinnlichen Welt, jenes Glaubens an einflußreiche Mittel
zur Erlangung höherer Kenntnisse, der besonders das 15. und
auch das 16. Jahrhundert characterisiert. Stand bisher das
Volk der compacten Masse des Aberglaubens, wie er sich aus
heidnischen und mißgedeuteten christlichen Anschauungen gebildet
hatte, mehr objectiv gegenüber, so versenkte es sich jetzt subjeetiv
in diese trügerischen und unergründlichen Schächte. Diese
philosophisch-symbolischen Spielereien fanden außerdem noch
einen starken Halt an dem sehr gering durchgebildeten Natur—
gefühl des gewöhnlichen Volkes. Es achtete noch wenig auf
die Einzelerscheinung in der Natur, sondern sah in den Ver—
änderungen derselben immer noch das Weben und Walten selb⸗
ständig schaffender, bald guter, bald böser Geister, zu denen es
die unheimlichen oder anziehenden Seiten, welche die Außenwelt
darbot, sich umgestaltet hatte.
Freilich waren die höheren Klassen der Nation hier längst
weiter fortgeschritten, schon die Frühlingslieder der höfischen
Poesie gehen liebevoll auf die Einzelwelt der erwachenden
Schöpfung des Lenzes ein. Allein die künstlerische Anschauung
der Natur als eines ethisch-psychologischen Ganzen lag auch
diesen Kreisen noch fern: noch stand man der Natur nicht selb⸗
ständig genug gegenüber, um sie sich im Ganzen als beseelt,
empfindend und Empfindungen äußernd zu denken. Ein Fort—
schritt geschah hier erst mit dem Aufkommen der flandrisch⸗
deutschen Malerei. Freilich haben auch die Meister dieser Schulen
noch keine Landschaftsmalerei als Zweig der Malkunst für sich,
auch in dem Kreise ihrer psychologischen Anregungen fehlte noch
die sanfte Befriedigung, welche die weite Landschaft im Abend—
licht dem Beschauenden gewährt, oder die erhabene Wirkung
des Seestücks in stürmender Brandung. Allein sie sahen doch
schon die Natur als künstlerisches Ganzes an, wenn auch noch
ohne individuale Umgestaltung; ruhig, objectiv als liebe frohe
Gotteswelt lag sie vor ihrem entzückten Auge. Nur selten, und
nur wo der Vorwurf es gebietet (z. B. bei der Auferstehung
des HErrn) finden sich auf ihren Bildern die Schauer des
grauenden Morgens oder der dunkelnden Dämmerung: sonst
            
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