Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
diesen Jahrhunderten erreicht ward, war die eingehendste 
realistische Kenntnis des Einzelobjektes. Dies Objekt wird für 
sich betrachtet und so im höchsten Maße plastisch gesehen: 
daher der Erwerb der vollen Fähigkeit der Wiedergabe des 
Umrisses und der Lokalfarbe. Dagegen keine volle Einordnung 
der Einzeldinge in das Ganze, vor allem nicht in das Ganze 
des Lichts, in das Ambiente, wie es einige Vorläufer späterer 
Zeiten in dieser Periode schon genannt haben, — und darum 
keine Erfassung der Außenwelt als eines in sich geschlossenen, 
lückenlos in sich zusammenhängenden Ganzen von Licht—- 
eindrücken. 
Dem individualistischen Zeitalter folgte seit Mitte des 
18. Jahrhunderts das subjektivistische. Das ist die Zeit der 
Empfindsamkeit, des Freundschaftskultus und des Aufkommens 
der Psychologie als einer von der Metaphysik unabhängigen 
Wissenschaft, der Kulturgeschichte, der Statistik und der Lehre 
vom Staate als einem Organismus: die Zeit, in der der 
Mensch im Menschen den höchsten Gegenstand der Liebe und 
der Erkenntnis sehen lernte: die Zeit einer Auffassung des 
Menschen als eines nicht bloß individuellen, sondern sozialen 
Wesens. Jetzt begriff man, daß die Welt sich gewiß zunächst 
in jedem Einzelnen widerspiegele, aber nicht gleichmäßig in 
jedem, sondern verschieden nach dem Subjekt: daß jeder Mensch 
insofern intellektuell der Herr der Welt sei in seiner Weise, 
daß aber erst die Summe aller individuellen Potenzen, die in 
einer menschlichen Gemeinschaft in sehr verschiedenartiger Weise 
begriffen seien, organisch verbunden ein Kulturganzes bilde: 
ein Kulturganzes, in dem eine höhere Menschlichkeit sich ent⸗ 
wickeln und der Einzelne an seinen Aufgaben wachsen könne. 
So stand der Mensch jetzt nicht mehr isoliert da, als Indi— 
biduum, sondern sozial, auf andere bezogen, als Subjekt. Und 
mit Recht ließ sich auf Grund der Beobachtung dieser be— 
sonderen Stellung dem Zeitalter der Name des subjektivistischen 
geben, der anfangs nur von der Erkenntnistheorie Kants ge— 
golten hatte. 
In all diesen Zusammenhängen liegt zugleich die Be—
	        
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