Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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gründung dafür, daß dies Wort und der dahinter stehende 
Begriff ohne Schwierigkeit auch auf die bildende Kunst dieser 
Zeit und vornehmlich auf deren jetzt führenden Zweig, die 
Malerei, angewendet werden kann. Denn das, was die Kunst 
dieses Zeitalters giebt, ist eben der subjektive Eindruck, den der 
Künstler der Erscheinungswelt entnimmt und unter stärkerem 
oder schwächerem Einleben seiner Persönlichkeit in den Gegen— 
stand zum Kunstwerk zu gestalten sucht. — 
Wir sehen jetzt, daß die subjektivistische und die indi— 
vidualistische Kunst des 19. und der vorhergehenden letzten 
drei Jahrhunderte nichts ist, als der ins Ästhetische gezogene, 
der Phantasiethätigkeit zugewandte Ausdruck der Psyche dieser 
Zeiten. Sollte es mit der Kunst der vorhergehenden Zeitalter 
anders sein? Wie wäre es möglich: bildet doch die Phantasie— 
thätigkeit eine so wichtige Seite des jeweiligen Seelenlebens, 
daß die anderen Gebiete desselben notwendig mit ihr in be— 
ständigem wechselseitigen Verhältnis stehen müssen: so daß 
jede wohl abgegrenzte und (wie das nun einmal zum leichteren 
Verständnis nicht anders geht) in Perioden zerlegte Abwandlung 
der Kräfte der Phantasiebildung nur ein Ausschnitt ist aus dem 
analog verlaufenden, nur viel umfangreicheren Prozeß des 
gesamten nationalen Seelenlebens überhaupt. Übrigens könnte 
der Beweis für jedes einzelne Zeitalter auch aus den That— 
sachen selbst anschaulich und leicht erbracht werden, wenn es 
die Okonomie der Darstellung an dieser Stelle zuließen. 
Was haben wir also? Vor uns tauchen von der Urzeit 
ab bis zur Gegenwart fünf Zeitalter der Entwicklung der 
nationalen Psyche auf, und ihnen gehören naturgemäß fünf 
Wandlungen der bildenden Künste und insbesondere der Malerei 
an: vom Symbolischen ins Ornamentale, von diesem ins 
Typisch⸗Konventionelle, hiervon ins Individualistische und von 
diesem wieder ins Subjektivistische schreitet die Entwicklung 
fort. Und diese Wandlungen kommen zur Erscheinung in der 
Erbracht ist er in meiner Deutschen Geschichte Bd. 126 passim.
	        
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