Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Vorwort. 
Ix 
nicht diese selbst in ihrem ruhigen Eintauchen in den Strom 
des Geschehenen kann gegeben werden. Um so mehr aber 
eignen sich diese Bände zu längeren geschichtlichen Rückblicken 
und auch zu mancher allgemeineren geschichtlich vergleichenden 
Betrachtung: ja solche Betrachtungen und Rückblicke sind not— 
wendig, soll der Stoff tiefere Bedeutung und historischen 
Charakter erhalten. Hieraus folgt, daß auch jeder dieser Bände 
in sich abgeschlossen und an und für sich verständlich ist, 
so daß es zu seiner Lektüre keiner stärkeren historischen Vor— 
kenntnis oder gar der Vorkenntnis der früheren Bände der 
Deutschen Geschichte“ bedarf. 
Daß im übrigen gerade der jetzt vorgelegte Band in vieler 
Hinsicht ein Wagnis bedeutet, habe ich keinen Augenblick 
verkannt. Ohne Frage giebt es viele Zeitgenossen, die 
einzelne Teile des dargestellten Stoffes, und auch gewiß eine 
große Anzahl, die das Ganze weit besser kennen als ich. Es 
wird daher leicht sein, mir hier und dort Ungenauigkeiten, ja 
auch Fehler nachzuweisen: so wie es immer Leute geben wird, 
in deren Augen mein Buch mit dem Nachweis solcher Fehler 
gerichtet ist. Aber ich erkläre ganz offen, daß ich für solche 
Leser nicht geschrieben habe. Das, worauf es mir ankommt, 
liegt nach anderer Richtung. Ich habe den Versuch machen 
wollen, zunächst mich selbst, dann die Zeitgenossen, die dafür 
ein Bedürfnis empfinden, über den inneren Zusammen— 
hang der wichtigeren historischen Erscheinungen unserer Zeit 
zu unterrichten, zu unterrichten an der Hand einer geschicht— 
lichen Erfahrung, wie sie, wenigstens für den im Verhältnis zu 
allem Geschehenen freilich noch immer sehr bescheidenen Umkreis 
der deutschen Geschichte, nicht jedem ohne weiteres zur Ver— 
fügung steht und im ganzen und großen nur noch berufsmäßig 
erworben werden kann. Sollte mir das gelungen sein, unter 
vielen Unvollkommenheiten natürlich und unter manchen Schwie— 
rigkeiten auch der Darstellung, deren Kleid einem noch im 
Wachstum befindlichen Stoffe nur schwer bis zu vollem Sitzen 
angepaßt werden kann, so wäre ich reichlich belohnt.
	        
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