Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst.

ausgebaut werden; in dieser Richtung verlief die Entwicklung.
Nun hatte schon Manet in seinen späteren Bildern so gearbeitet.
Und die ihm nächstverwandten Meister setzten diese Art zu—
nächst fort, wenn auch noch grundsätzlicher und mit noch weiter
entfaltetem Farbensinn, so vor allem Besnard. Bald aber ging
eine andere Richtung noch weiter. Um eine noch stärker diffe—
renzierte Wirkung zu erhalten, begann sie grundsätzlich jeden
Farbeneindruck nicht mehr durch eine Farbe, sondern durch
eine Farbenzusammenstellung wiederzugeben, etwa nach Analogie
des Sonnenlichts, dessen weiße Farbe bekanntlich durch die
bunten Farben des Spektrums gebildet wird. Es ist eine
Methode, bei der die Nüancen durch Zusammenstellen der in
der Farbentechnik bekannten Farbenwerte auf dem Wege der
Kombination und Permutation fast bis ins Unendliche gesteigert
werden können: und so kann sie an sich sehr wohl als ein geeignetes
Mittel erscheinen, der für unser Empfinden thatsächlichen Un—
endlichkeit, weil dem ständigen Übergange der Farben gerecht
zu werden. Durchaus auf bestimmte Regeln gebracht erscheint
sie nun in dem sog. pointillage, der regelmäßigen Verbindung
einer gewissen Anzahl von Farbentupfen zur Wiedergabe der
Nüancen; daneben aber tritt sie häufiger in freierer Form auf.
Die Entfaltung dieser ganzen Technik erfolgte wohl zuerst, und
jedenfalls zuerst ganz augenscheinlich, in der Landschaftsmalerei,
und der eigentliche Meister der hierher gehörigen Landschafts—
kunst ist seit Ausgang der siebziger Jahre Monet (geb. 1840);
neben ihm sind u. a. noch Pissaro (geb. 1830) und Lebourg
(geb. 1849)9 zu nennen. Auf die Wiedergabe von Er—
scheinungen, die dem Auge näher stehen, vor allem des Menschen,
hat Lenoir (geb. 1841) die Methode angewandt.
Doch wäre es falsch, wollte man sich die französische Kunst
der Gegenwart von den Experimentatoren des Neuen beherrscht
denken. Nur wenige sind es, die ins Unbekannte streben, wenn
auch die allgemeinen Errungenschaften der Malerei im Sinne der
Meister von Fontainebleau, sowie Courbets und selbst Manets
fast durchweg angenommen sind. Im ganzen herrscht — und
das ist die dritte Richtung — die Neigung zur Vermittlung
            
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