Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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Gehalte an Wasserdampf und mit den braungoldenen Tönen ihrer 
herrlichen Abende und, dicht bei ihnen, die Landschaften der 
Eifel mit ihrer Schwermut, mit der Verlassenheit ihrer lang— 
hinstreichenden Hochebenen und dem phantastischen Wechsel ihrer 
geologischen Formationen. Hier entwickelten die Düsseldorfer 
schon in den dreißiger Jahren eine rege Thätigkeit; Lessing, 
einer ihrer Größten, entdeckte vor allem die Eifellandschaft und 
gab sie mit einer bis dahin unerhörten Treue der Beobachtung 
wieder. 
Etwas später aber ward noch ein anderes Gebiet stärkster 
Stimmungselemente entdeckt, die bayrische Hochebene, nament— 
lich nach dem Salzburgischen zu, diese Stätte wohl der 
größten deutschen Regenmengen und jedenfalls eines in den 
Lufterscheinungen besonders intensiv wechselnden Himmels. 
Hier war schon der wunderliche, vergnügsame Spitzweg 
(1808 - 1885) mit seinen Landschaftsbildern zu Hause; vor allem 
aber wurde diese Landschaft und das südlichere Voralpengebiet 
überhaupt der Herrschaftsbereich von Schleich (1812 1874): 
auf der entwicklungsgeschichtlichen Höhe etwa der Schule von 
Fontainebleau hat er, teilweis in großen Formaten, Luft und 
—DD— 
Übergang in eine kältere Palette fehlt, um ganz Wahrheit 
zu sein. 
Und auch sonst fehlte es in Deutschland nicht an Über— 
gängen zu einem physiologischen Impressionismus der Landschaft; 
auch aus den mitteldeutschen Gebieten wäre eine ganze Anzahl 
wenn auch minder hochstehender Meister zu nennen. Ja selbst 
die Hilfe des Aquarells, von dem schon gelegentlich der englischen 
Entwicklung die Rede war, versagte nicht. Hier wirkte in den 
fünfziger Jahren namentlich Karl Werner, in den sechziger 
Eduard Hildebrandt. Beide malen in freier Luft, und beide 
setzen das Licht schon stark in den Lokalton. Und beide er⸗ 
reichen die Höhe der ihnen zugänglichen Wirklichkeitswiedergabe, 
indem sie mit Vorliebe außerhalb Deutschlands thätig sind, in 
Gegenden mit reicherem, sich mehr aufdrängendem Licht, der 
eine in Italien und den östlichen Mittelmeerländern, der andere
	        
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