Bildende Kunst.
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Gehalte an Wasserdampf und mit den braungoldenen Tönen ihrer
herrlichen Abende und, dicht bei ihnen, die Landschaften der
Eifel mit ihrer Schwermut, mit der Verlassenheit ihrer lang—
hinstreichenden Hochebenen und dem phantastischen Wechsel ihrer
geologischen Formationen. Hier entwickelten die Düsseldorfer
schon in den dreißiger Jahren eine rege Thätigkeit; Lessing,
einer ihrer Größten, entdeckte vor allem die Eifellandschaft und
gab sie mit einer bis dahin unerhörten Treue der Beobachtung
wieder.
Etwas später aber ward noch ein anderes Gebiet stärkster
Stimmungselemente entdeckt, die bayrische Hochebene, nament—
lich nach dem Salzburgischen zu, diese Stätte wohl der
größten deutschen Regenmengen und jedenfalls eines in den
Lufterscheinungen besonders intensiv wechselnden Himmels.
Hier war schon der wunderliche, vergnügsame Spitzweg
(1808 - 1885) mit seinen Landschaftsbildern zu Hause; vor allem
aber wurde diese Landschaft und das südlichere Voralpengebiet
überhaupt der Herrschaftsbereich von Schleich (1812 1874):
auf der entwicklungsgeschichtlichen Höhe etwa der Schule von
Fontainebleau hat er, teilweis in großen Formaten, Luft und
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Übergang in eine kältere Palette fehlt, um ganz Wahrheit
zu sein.
Und auch sonst fehlte es in Deutschland nicht an Über—
gängen zu einem physiologischen Impressionismus der Landschaft;
auch aus den mitteldeutschen Gebieten wäre eine ganze Anzahl
wenn auch minder hochstehender Meister zu nennen. Ja selbst
die Hilfe des Aquarells, von dem schon gelegentlich der englischen
Entwicklung die Rede war, versagte nicht. Hier wirkte in den
fünfziger Jahren namentlich Karl Werner, in den sechziger
Eduard Hildebrandt. Beide malen in freier Luft, und beide
setzen das Licht schon stark in den Lokalton. Und beide er⸗
reichen die Höhe der ihnen zugänglichen Wirklichkeitswiedergabe,
indem sie mit Vorliebe außerhalb Deutschlands thätig sind, in
Gegenden mit reicherem, sich mehr aufdrängendem Licht, der
eine in Italien und den östlichen Mittelmeerländern, der andere