Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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diesen im Keime viel Ähnlichkeit. Das Ziel ist in beiden Fällen, 
mit der eingehendsten Sorgfalt das einzelne malerische Element 
der Erscheinungswelt zu erfassen und zur Darstellung zu bringen 
in der Erwartung, daß bei stärkstem Wirklichkeitsstudium im 
einzelnen sich auch stärkste Wirklichkeitswirkung im ganzen her— 
ausstellen müsse. So ist denn Menzel, wie er mit einer litho— 
graphierten Selbstbiographie begonnen hatte, bis in sein hohes 
Alter ständiger Begleiter seines Tageslebens mit Stift und 
Pinsel geblieben; immer und immer wieder hat er mit dem 
kleinsten Gegenstand seiner Umgebung gerungen, um ihn male— 
risch zu bewältigen, nicht anders, wie er bis zu jedem Stück 
Litze der fridericianischen Uniformwelt archäologisch und malerisch 
durchdrang. 
Seit den sechziger Jahren wurde Menzel mit der so er—⸗ 
rungenen Kunst der Maler der großen politischen Gegenwart: 
„Krönung in Königsberg“, „Abreise König Wilhelms zur Armee 
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Scenen aus dem Pariser und Veroneser Volksleben, katholische 
Prozessionen und protestantische Gottesdienste Brunnenpromenade 
in Kissingen, Ballpausen der Berliner Gesellschaft, Scenen aus dem 
Leben am preußischen Hofe, — vor allem aber der große Epiker der 
modernen Arbeit: „Eisenwalzwerk“ vom Jahre 1876. In diesen 
Bildern offenbart sich seine ganze Kunst. Das, was sie aus⸗ 
zeichnet, ist freilich nach wie vor der unglaublich sichere Blick 
für das Einzelne. Daher — und auf diesem Gebiete reicht 
Menzel bis tief in die Auffassung des psychologischen Im— 
pressionismus hinein — vor allem keine Komposition: der Vor— 
gang als Ganzes wird genau so erfaßt, wie er sich abspielt, 
das Bild ist nichts als ein Ausschnitt aus dem Leben. Schon 
das Königsberger Krönungsbild ist so gemalt und erregte eben 
darum Anstoß bei Hofe. Darum weiter keine Spur künstlicher 
Lichtführung mehr: frei flutet der Strahl, und frei werden die 
Dinge von seinen tausend und abertausend Widerscheinen umspielt. 
Da sollte man denn freilich auch statt der alten Farbenwelt 
des Renaissancepinsels eine solche farbiger Lichteindrücke er— 
warten. Aber hier ist nun das Gegenteil der Fall; denn hier wirkt
	        
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