Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
Menzels Auffassung des Einzelnen ein. Er zeichnet das Ein— 
zelne noch, weil er es zunächst einzeln und darum in der strengen 
Umrißform sieht. Und wo er bis ins einzelne nicht mehr 
zeichnet, da malt er jedenfalls — der Beweis innerlich zeichne— 
rischen Empfangens — mit spitzem Pinsel. Er verbindet also 
moderne Komposition des Ganzen mit einer oft unendlich 
minutiösen, überaus phantasievollen und doch den Gegenstand 
mit hartem Wirklichkeitssinn umdrängenden Zeichnung im 
einzelnen. Wie sollte da die Farbenwelt als Ganzes, als licht⸗ 
durchwebt und lichtverzehrt, zu ihrem ganzen Rechte kommen? 
Das ist das Gebiet, auf dem Menzel am alten Kanon fest— 
hält; und so bezeichnet seine Malerei in gewisser Richtung die 
äußerste Grenze eines physiologischen Impressionismus, ohne sie 
zu überschreiten. 
Es ist eine persönliche Stellung, die an sich vielleicht schon 
die Bildung einer Schule ausschloß, sicher aber unter dem Fort— 
dauern des technischen wie stofflichen Historismus bis in die 
siebziger, ja achtziger Jahre hinein zu dieser nicht führen konnte: 
und so ist die Kunst Menzels einsam geblieben. Ahnlich steht 
es mit der Kunst August von Pettenkofens (1822 -1889). Nur 
daß diese schon nicht mehr unbeeinflußt von den Franzosen 
war: nur halb als unabhängiger Pfadfinder eines deutschen 
Impressionismus ist Pettenkofen zu rechnen. 
Pettenkofen ist wohl der erste deutsche Offizier außer 
Diensten, der in der Geschichte des Ringens des späteren 
19. Jahrhunderts nach einer neuen Kultur einen unbestreit— 
baren Platz einnimmt. Wir werden solcher Offiziere im 
Fortschreiten unserer Betrachtungen noch mehrere treffen: 
hier sei nur an den Philosophen v. Hartmann, den Maler 
o. Uhde, den Dichter v. Liliencron, den Ethiker v. Egidy er⸗ 
innert. Ein Gemeinsames durchzieht das Wirken aller dieser 
Männer. Sie verlassen den Beruf mit einer strengen Erziehung 
zur Treue und Wahrhaftigkeit der Arbeit; sie treten in kräf— 
tigem Mannesalter unvoreingenommen, nicht allzusehr von 
kulturellen Überlieferungen belastet an das Werk, zu dem sie 
ihre Begabung hinzieht. So schaffen sie frei, ernst und im
	        
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