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Bildende Kunst.
er auch später von den Franzosen viel gelernt hat; und jeden—
falls hat er schon 1869, mit als einer der ersten, in München
den hergebrachten Historismus und die Alleinherrschaft der
Schule Pilotys erschüttern helfen.
Es war zu der Zeit, da ein Manet in Paris sich der
Höhezeit seiner Kunst nahte, da in Frankreich die zweite, psycho—
logische Stufe des Impressionismus erreicht ward. War um
diese Zeit diese fernere Entwicklung in Deutschland schon vor—
bereitet?
Wir müssen sagen: keineswegs. Die weitere Entfaltung
der deutschen Landschaftsmalerei, von der aus am ehesten, ja
vielleicht allein der Übergang zur bloßen Malerei der Farben—
eindrücke hätte hervorgehen können, ließ auf sich warten;
Bilder der anfänglichen neuen französischen Kunst, die gelegent—
lich in Deutschland erschienen, fanden statt Verständnisses nur
Hohn — Hohn der Hauptsache nach von seiten derselben
Künstler, die mit ihrem akademischen Historismus auf den
Schultern der französisch-vlamischen Malerei der fünfziger Jahre
standen, ja zum guten Teile in den fünfziger Jahren selbst in
Paris gelernt hatten. Man hielt die militärisch geschlagenen
Franzosen auch künstlerisch für besiegt. Und diese Auffassung
störte auch das bisher noch immer rege Hin und Her junger
deutscher Maler in den Pariser Werkstätten. Der alte Zu—
sammenhang der kontinentalen Kunst erlitt auf mehrere Jahr—
zehnte eine Unterbrechung.
Für die deutsche Malerei hatte das zur Folge, daß sie den
psychologischen Impressionismus und damit wenigstens den
äußeren Anlaß zum endgültigen Bruch mit dem technischen und
stofflichen Historismus nicht unmittelbar und damit auch wenigstens
nicht ganz aus Frankreich erhielt, sondern vielmehr vermittelt
durch die Kunst der Holländer und später auch ein wenig der
Vlamen.
Wir wissen schon, daß die vlamische Kunst des 19. Jahr—
hunderts technisch ganz den Franzosen gefolgt ist: der Schule
von Fontainebleau entspricht die Schule des Waldes von
Tervueren bei Brüssel; der belgische Courbet heißt de Groux;