Wirtschaftliche und soziale Wandlungen vom 14. zum 16. Jahrh. 983
Prädones aus, es gäbe vier Klassen von Räubern in Deutsch⸗
land, die Ritter, die Kaufleute, die Juristen, die Pfaffen, die
Ritter aber wären noch die unschädlichsten unter ihnen.
So ergab sich ein verhängnisvoller Zirkel. Man war
völlig klar über die Wurzel des Übels, einen hypertrophisch
entwickelten individualistischen Kapitalismus in den Städten;
man wußte, daß dieser die Ringe und Gesellschaften hervor⸗
gebracht, die Zunfte entartet, das Proletariat verschuldet, den
ländlichen Adel in Mitleidenschaft gezogen hatte. Wenigstens
diese Quelle einer kommenden Revolution hätte man verstopfen
können; es wäre eine wesentliche Erleichterung auch für die
Schäden der selbständigen Entwicklung des platten Landes
gewesen. Aber die Stände, die sich einer gesunden Reaktion
gegen den Kapitalismus hätten annehmen können, Adel und
unteres Bürgertum, waren selbst in ihrer Entwicklung zu sehr
geschädigt und sittlich gebrochen. Unter diesen Umständen
konnte eine Hilfe nur noch kommen von den öffentlichen Ge—
walten.
Das 14., 15. und 16. Jahrhundert ist das Zeitalter der
Ausbildung territorialer Staatsgewalten. War es nun denkbar,
daß erst in Entwicklung begriffene Mächte sich der Beseitigung
weit eingefressener Schäden widmen würden, zumal wenn diese
über die Territorien hinaus auf den besonderen Schauplatz der
großstädtischen Geschichte wiesen? Die Fürsten hatten zunächst
genug mit der Pflege der eigenen Gewalt zu thun. Darum
entwickelte sich auch ihr wirtschaftliches und soziales Ver—
ständnis, von wenigen Ausnahmen abgesehen, erst spät. Noch
im Jahre 1460 konnte Kaiser Friedrich III. als Landesfürst
in sterreich die Zölle erhöhen und die Münzen verschlechtern
in dem Augenblick, da die ärgste Mißernte drohte; es war
ihm nicht gegenwärtig, daß man mit dem Stocken der Einfuhr
an den Rand des Verderbens gelangen mußte; er sah nicht
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das Vierfache steigen würden. So nahmen sich die Fürsten
von sich aus der städtischen Entwicklung kaum anders an, als
im Interesse der Erhöhung ihrer eigenen Machtstellung; auf