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Bildende Kunst.
Wende der achtziger Jahre zu den neunziger Jahren eingesetzt;
er ist also noch ganz im Werden. Man wird ihn deshalb
noch nicht abschließend beurteilen oder darstellen können —
weshalb er auch hier nur gestreift werden soll —; wohl aber
kann man seine allgemeinen entwicklungsgeschichtlichen Voraus—
setzungen klar legen, und man wird immerhin qgut daran thun,
dies zu wagen.
Die Idealisten der fünfziger bis neunziger Jahre hatte
ein außerordentliches Gedächtnis für das Anschauliche, ein
Weiterschauen über die Einzelerscheinung des Alltags hinein
in den Typ, und die Fähigkeit dichterischer Stimmungswieder—
gabe trotz aller — oder vielmehr innerhalb aller Stilisierung
ausgezeichnet. So waren sie zu schlichter Vollendung vor—
gedrungen: das eigentlich Geistreiche fehlt — auch bei Klinger
wenigstens in den Gemälden —; etwas Strenges und Reines
nimmt in ihren Bildern ein; eine stille Feierlichkeit umfängt
uns. Dabei hat dieser Ernst nichts Trübes; ruhige Heiterkeit
vielmehr spricht aus den Werken. Es ist die Heiterkeit einer
von Willkür freien Gesetzmäßigkeit, des Gleichmaßes, der
Selbstverständlichkeit des Dargestellten. Denn diese Bilder
wollen nichts erzählen: sie sind ein Angeschautes an sich, sie
geben neben der Form keinen äußeren Inhalt, sondern nur
Stimmung: sie gehen auf in dem Gehalt der Anschauung und
Empfindung. Und darum kennen ihre Meister keine Unter—
schiede äußerlich-stofflicher Bewältigung mehr: sie malen weder
Tierstücke, noch Stillleben, noch Historien, noch Sittenbilder,
noch Landschaften, sondern Bilder beliebigen Inhalts, aber
mit einem ganz sicheren Stimmungsgehalt.
Was war nun nach alledem, in zwei Worten gesagt, das
Wesentliche dieser Kunst?
Bei jedem Idealismus wird man zwischen Form- und
Gehaltsidealismus unterscheiden müssen. Der Formidealismus
beruht immer auf der bewußten Typisierung jener Erscheinungen
der Natur, welche der naturalistischen Anschauung jeweils zu—
gänglich geworden sind, und auf der Ausgestaltung wieder dieses
typisch Angeschauten zum Individuellen, zum singulär Ange—