Dichtung.
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Liliencron ist eine durch und durch ursprüngliche Natur
und darum auch fern jeder engeren Abhängigkeit seiner Dichtung
von früheren und fremden litterarischen Strömungen. Ein
Junker vom Lande, der sich mit Stolz des Normannenblutes
in seinen Adern entsinnt, ist er auch als Dichter ein selbst⸗
gemachter Mann, der nur ganz im allgemeinen auf der Grund⸗
lage der von seinen Ahnen her ererbten Geisteshaltung steht.
Jagd, Krieg und Liebe, das sind seine Ideale. Und seine Liebe
ist von unbändiger Sinnlichkeit, wie der Tanz ihm nur eine
andere Form der Jagd ist. Und die Jagd wieder fesselt ihn nur
als ein Scheinspiel des Krieges. Der Krieg aber, das ist sein
Lebenselement, nicht eine harte Notwendigkeit sondern quellendes
eigentlichstes Dasein, und Schlachtendunst wird ihm zu er⸗
frischender Lebensluft: der Luft jenes Lebens, dem er ent—
gegenjauchzt: „Leben hurra!“ So fehlt ihm in seiner Höhe—
zeit jede, aber auch jede Spur von Empfindsamkeit und
Entsagung; muß er verzichten, so geschieht es in Selbst⸗
zerfleischung, und er wird schrecklich im Gefühl zornigen Duldens.
Dies alles, diese Richtung auf leidenschaftlichste Stimmungen,
auf unschattierte Gemeingefühle gleich den Ingredienzien einer
fernen Urzeit, verbindet sich dann mit einem massiven, fast
mythischen Gottesglauben, mit einem triebmäßigen, von den
Altvätern her vererbten Christentum, über dessen festen Formen,
ein Anachronismus der Gegenwart, nur selten das pantheistische
Gefühl des modernen Dichters aufblitzt.
Was muß eine solche Natur als Dichter sein? Liliencron
ist zunächst, wie er das Wort einmal von einem verehrten
Kriegskameraden gebraucht, „von der nackten Wirklichkeit des
Seins tief durchdrungen“. Er beschreibt grundsätzlich nichts,
was er nicht gesehen hat; sündigt er gegen diesen Grundsatz,
so wird er blutleer; das Sein ist ihm heilig. Und so ist er
auch in der Form fromm und wahrhaftig. Er ruht nicht, bis
nicht der Ausdruck das feinste, durchscheinendste Kleid seiner
Gefühle und Anschauungen geworden ist; und die dem Offizier
doppelt anerzogene Treue im kleinen begnügt sich im Dienste
der Sprache nur mit dem Vollendetsten und Höchsten. Und dieser