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Dichtung.
fischen Sinneseindrücken in die Dichtung eingeführt werden:
die tönenden Farben, die farbigen Vokale, die gehörten oder
gesehenen Tastgefühle: Erscheinungen, die in der Dichtung be—
wußt allerdings schon von E. T. A. Hoffmann verwertet worden
sind. Dahin gehört auch die Schilderung der Vermischung
höherer und höchster Sinneseindrücke, das Aufheben der
festesten und anschaulichsten Grenzen unserer Empfindung, des
Raumes etwa und der Zeit. Es sind Dinge, die man sonst
doch wohl nur dem Jenseits zugeschrieben hat:
Et toi, divine Mort oùu tout rentre et s'éfface,
Accueille tes enfants dans ton seéin étoilé,
Affranchis nous du temps, du nombre ét de l'espace
Et rends nous le repos que la vie a troublé.
FILeconte de Lisle,.)
Die neue Dichtung aber verwendet diese Sensationen
wenigstens schon für die irdische Ekstase. So Stephan George
in seinem Gedicht „Weihe“, das in den allgemeinsten Zügen
denselben Vorgang schildert wie Goethes „Zueignung“. Der
Dichter ruft sich zu, die Muse der Dichtung am Gestade eines
Stromes zu erwarten:
Im Rasen rastend sollst du dich betäuben
An starkem Urduft, ohne Denkerstörung,
So daß die fremden Hauche all zerstäuben,
Das Auge schauend harre der Erbhbörung:
Siehst du im Takt des Strauches Laub
Und auf der glatten Fluten Dunkelglanz
Die dünne Nebelmauer sich zersplittern?
Hörst du das Elfenlied zum Elfentanz?
schon zittern
Schon scheinen durch der Zweige Zackenrahmen
Mit Sternenstädten selige Gefilde,
Der Zeiten Flug verliert die alten Namen,
Und Raum und Dasein bleiben nur im Bilde.
Die Übergangssensationen zwischen spezifischen Sinnes—
eindrücken aber werden als etwas ganz Gewöhnliches von der
Schule eingehend zur Darstellung gebracht. So von Hofmanns—
thal im „Tod des Tizian“: