III.
1. Im übrigen ist charakteristisch, daß die litterarische
Bewegung doch erst längere Zeit nach der Musik und den
bildenden Künsten oder wenigstens der Malerei zum ent—⸗
schiedenen Bruch mit einer anders gearteten Vergangenheit ge—
langte. Die „Blätter für die Kunst“ konnten es aussprechen:
„Nie wäre bei uns Schrifttum und Dichtung von heute in so
traurige Störung geraten, wenn ihre Vertreter zu den gleichzeitig
lebenden Meistern der bildenden und der Tonkunst den Blick
erhoben hätten.“ Freilich: würde die Dichtung durch einen Lehr—
gang bei den anderen Gattungen der Phantasiethätigkeit wirklich
im Innersten gefördert worden sein? Die einzelnen Gebiete
menschlichen Seelenlebens sind in tieferen Zusammenhängen ver—⸗
ankert als in denen von ein paar oberflächlichen Abhängigkeiten.
Es soll hier nicht versucht werden, die Vorgeschichte des
dichterischen Impressionismus auf deutschem Boden auch nur
in den allgemeinsten und gröbsten Zügen vollständig zu zeichnen.
Ein solches Vorhaben würde die konomie dieses Buches
sprengen, wurde den Leser entwicklungsgeschichtlich nicht viel
über die allgemeinen Einsichten hinausbringen, die sich gelegent⸗
lich der eingehenderen Betrachtung der Vorgeschichte der im—
pressionistischen Malerei ergeben haben, und wäre zudem nach dem
heutigen Stande der gelehrten Einzelarbeit nur sehr bruchstück—
weise möglich. Genug daß die leisen Bewegungen, die zwar
noch nicht das Neue sind, aber doch zu ihm überführen, in
der Dichtung doch fast so weit wie in der Malerei zurückreichen
und auch ähnliche Phasen, wie in dieser, durchlaufen haben.