Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
Was von Stern hier erreicht, die religiöse Stimmung, 
das erscheint dann bei ihm wie bei anderen bald ins Positivere 
— 
giösen Resignation als einer Form moderner Askese fällt 
vollends ab: man dringt vor in das Land vollen, ruhigen 
Gottvertrauens und in die Vorhallen wenigstens mystischer 
Verzückung. Auch hier sind einige Balten von Bedeutung, so 
der Freiherr von Grotthuß (geb. 1868) wie auch der Deutsch— 
russe von Andrejanoff (geb. 1857); am entschiedensten und 
frühesten aber tritt diese Richtung doch wohl in den Dichtungen 
von Franz Evers zu Tage (geb. 1871; „Fundamente“, 1892; 
„Psalmen“, 1893): 
In weichem Lilapurpur 
Liegt fern ein Traumesland; 
Blaudunkel glühn die Wellen, 
Und golden ist der Strand. 
Cypressenwälder wiegen 
Im Wind ihr Nadellaub, 
Und in den Lüften liegen 
Maiglück und Sonnenstaub. 
Die himmelhohen Kuppeln, 
Die ewigen Berge schaun 
Im Scharlachschnee der Frühe 
Hin auf die goldnen Gaun. 
Das Glück, das Glück umschmiegt uns, 
Wir sind vom Schmerz befreit 
Und unsre Seele wiegt uns 
In blaue Ewigkeit. ...
	        
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