Richard Wagner, der 1813 geboren ist, hat einige Zeit
bor und noch etwas länger nach 1850 den größten Umschwung
seines inneren Lebens erfahren; es ist bezeichnend, daß er um diese
Zeit nahezu vier Jahre dichterisch⸗musikalisch unfruchtbar gewesen
ist. Aber unmittelbar vor und nach dieser mageren Zeit liegen
die fetten Jahre seiner zwei großen Perioden, der Perioden, da
er ein Dreißiger war und „‚Rienzi“, den „Fliegenden Holländer“,
Tannhäuser“ und „Lohengrin“ schuf, und da er ein Vierziger
geworden war und in emsigstem Empfangen den Grund legte
zu den vier großen Werken seiner späteren Zeit und der vollsten
Reife: den „Meistersingern“, dem „Nibelungenring“, „Tristan
und Isolde“ und „Parsifal“.
„Rienzi“ ist von Wagner selbst noch als eine Art Gesellen⸗
stück angesehen worden. Zwar ist der Meister hier schon
darüber hinaus, wie in seinen Jugendstücken, den „Feeen“ und
dem glücklicherweise vergessenen „Liebesverbot“, der Nacheiferung
fremder Musik auch im einzelnen zu verfallen. Trotzdem liegen
noch unverkennbare Anregungen aus der sogenannten großen
hervischen Oper der Italiener und der Franzosen und namentlich
bon Spontini her vor, Anregungen, die den allgemeinen Charakter
des Werkes noch so wesentlich bestimmen, daß man es wohl
geradezu als letzte große Erscheinung der romanischen Helden⸗
oper bezeichnet hat.
Wie ganz anders ist da schon der „Fliegende Holländer“
bolles Eigentum der persönlichen Bildkraft Wagners! Als der
Künstler nach wirren Wanderjahren im Kapellmeisterdienst in