Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
Hinsicht mehr zu beherrschen weiß. Mit alledem tritt dann 
doch ein gemäßigter Impressionismus immer entscheidender her⸗ 
vor: wie in seinen Dramen so geht der Dichter auch in seinen 
Romanen langsam mit der Zeit, und soweit das litterarische 
Publikum impressionistische Anschauungen älteren Gedanken— 
assoziationen einfügt, ist auch er bereit, sie aufzunehmen, ja der 
allgemeinen Entwicklung vielleicht sogar um einige Schritte 
vorauszueilen. Das alles tritt aber doch nicht so entscheidend 
hervor, daß seiner Art zu erzählen dadurch der Charakter des 
Übergangsstiles genommen würde. 
4. Inzwischen aber war, um etwa 1800, die Zeit des 
reinen physiologischen Impressionismus ihrem Ende nahe. 
Zeigte das die schon einmal erwähnte Umfrage von Kurt 
Grottewitz in nackter Deutlichkeit, so wiesen auch allerlei 
Nebenerscheinungen schon länger auf den gleichen Ausgang hin. 
In der neuen Form hatte sich schließlich ein entfesselter stoff⸗ 
licher Naturalismus widerlich eingenistet; eine große Anzahl 
angeblich litterarischer Erzeugnisse strotzten von Brutalität und 
Gemeinheit. Und dem krankhaften Sensualismus machten sogar 
Naturen wie Wildenbruch („Astronom“, 1887) und Kretzer 
(„Drei Weiber“, 1886) Zugeständnisse. Nicht minder gingen 
die litterarischen Höflichkeitsformen in einer mehr als derben 
Entwicklung des satirischen und polemischen Humors wie in 
einfach schimpfender Grobheit, und dies nicht bloß auf dem 
engeren Gebiete der schönen Litteratur, verloren. 
Das bedeutete den Verfall, und da waren denn zunächst 
Parallelerscheinungen wie die des soeben besprochenen Über— 
gangsromans sehr begreiflich; zugleich aber drängte die Ent— 
wicklung weiter vorwärts, hinein in einen bis dahin unerhörten 
psychologischen, ja neurologischen Impressionismus. 
Dabei war diese Entwicklung, wie sich der trefflichen 
ditteraturgeschichte des 19. Jahrhunderts von R. M. Meyer 
zum ersten Male völlig deutlich entnehmen läßt, keineswegs 
unvorbereitet: es waren schon Schriftsteller vorhanden, die,
	        
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