Dichtung.
Schlaf zu Gehör gebracht. Später ist dann in Berlin noch
eine „Deutsche Bühne“ und eine „Freie Volksbühne“ für die
Arbeitermassen entstanden, und „Freie Bühnen“ mit verwandten
Aufgaben und ihnen mehr oder minder entsprechende Ein—
richtungen sind auch in Leipzig, München, Hamburg und
anderswo emporgeblüht.
Schon diese Folge von teilweis freilich rasch vorüber—
gehenden Gründungen bezeugt, wie energisch jetzt die neue
Kunst der Bühne zudrängte. Und so blieb es denn nicht bei
vrivaten Veranstaltungen. Schon von 1890 ab ging Suder—
manns „Ehre“, freilich noch ein Kompromißstück, über die
öffentlichen Bühnen Deutschlands und bald auch des Auslands.
Dann eroberten sich Hauptmanns Dramen „Das Friedensfest“
und „Einsame Menschen“ anfangs der neunziger Jahre rasch das
Deutsche Theater in Berlin und die Hofburg in Wien; und
„Hannele“ erschien in Berlin zuerst im Königlichen Schauspiel—
hause (14. November 1893). Den vollen Triumph der neuen
Kunst aber bezeichnete die Aufführung von Hauptmanns
„Webern“. Noch 18092 polizeilich verboten, sind sie seit Sep—
tember 1894 auf dem Berliner Deutschen Theater binnen dreier
Jahre mehr als zweihundertmal gegeben worden.
Begleiterscheinungen dieses Aufschwungs waren die jetzt
voll zu Tage tretende Ausbildung einer neuen Schauspielkunst,
in der Reicher mehr das impressionistische, Kainz mehr das
nervöse Element vertrat, sowie gewisse Veränderungen in dem
hergebrachten Repertoire der großen Toten. Da tauchte Molière
wieder stärker auf, durch Fuldas witzig-elegante Übersetzung
zur Aufführung doppelt empfohlen, und von Goethe erlebten
die „Zustands- und Seelendramen“ „Tasso“ und „Iphigenie“
und namentlich wohl „Tasso“ etwas häufiger die Aufführung.
Was aber wichtiger war: im Beginn der größeren äußeren
Fortschritte fand sich uber den Norweger Ibsen hinaus auch
ein deutscher Dichter, der dem vorwärtsdrängenden dramatischen
Leben lange Zeit hindurch beinah regelmäßig einen repräsen⸗
tativen Ausdruck zu geben wußte: Gerhart Hauptmann (geb.
1862). Hauptmann ist nach einer Jugend, die sehr mannig—