Dichtung.
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ihn an — er besiegt sie anscheinend: da treffen ihn die tiefsten
Harmonien, die Grundtöne christlich-menschlicher Lebens—
auffassung: er erfährt, daß sein Weib das Opfer seines über—
menschlichen Strebens geworden ist; seine Kinder erscheinen
vor ihm mit dem bauchigen Krüglein, in das sie die Thränen
der Mutter gesammelt; von dem Schemen der Mutter, die sich
in den Bergsee gestürzt hatte, berührt, tönt die versunkene
Glocke in immer stärkeren Pulsen hinauf in seine andere Welt.
Da wird er schwach: er verläßt den Ort seiner neuen Wirk—
samkeit, verläßt Rautendelein, bricht mit Natur und Natur—
gewalten. Aber die Schwäche rächt sich an ihm; er ist seinem
Innersten untreu geworden, und so bleibt ihm nichts übrig
als der Tod, der ihn mitleidig aufsucht.
Man sieht: auch hier ist das Schema des naturalistisch—
impressionistischen Dramas der früheren Zeit des Dichters noch
nicht oder wenigstens noch nicht völlig verlassen: die Anlage
zu einem Aufgehen und Scheitern in schöpferisch-drangsamem
Pantheismus liegt bei Heinrich vor; ausgelöst wird sie durch
seine Bekanntschaft mit der zweiten Welt. Nur daß diese
Welt sich weniger in die seine eindrängt, als daß er sie auf—
sucht. Dadurch wird der Held des Dramas aktiv; er leidet
nicht nur, er verteidigt sich nicht bloß, er kämpft, er hat die
Kraft vorwärts weisenden Wollens. So kommt mehr Handlung
in das Stück; es ist nicht nur in der Art der naturalistischen
Stücke Katastrophe; dem Schicksal tritt nicht bloß ein mit dem
—
Welt geschaffener und dieser zustrebender Mensch entgegen: und
so zermalmt es zwar, wie früher, aber erst nach langem und
wechselvollem Widerstand. Und in diesem Kampfe handelt es
sich nicht mehr um die bloße halb physiologische Frage des
Daseins, sondern um die höchsten Probleme der Menschheit.
Gewiß ist Heinrich ein Zeittypus; er ist in gewissem Sinne
der Nietzschesche Ubermensch und er verkörpert das künstlerische
Schaffensideal, das wenige Jahre vor dem Erscheinen der „Ver—
sunkenen Glocke“ in Langbehns Buche „Rembrandt als Er—
zieher“ als das höchste menschliche Ideal überhaupt bezeichnet