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CTonkunst.
lung charakterisiert, nur durch Handlung liebt und verurteilt,
er ließ sich nicht unterdrücken. So dehnte sich das Ganze zur
Trilogie aus, und diese Schwierigkeit ist durch den unerhörten und
vielfach narkotisierenden, gelegentlich aber auch zerstreuenden
Glanz der Instrumentation wie die Reichtümer des musikalischen
Lyrismus wohl verdeckt, nicht aber beseitigt.
Gewiß, das Wagnersche Kunstwerk der zweiten Periode be—
durfte der Sagenstoffe mit ihrer Läuterung zeitlicher Vorgänge
ins Reinmenschliche; aber dies Reinmenschliche mußte zudem in
einfacher Handlung, in wenigen verinnerlichten Zügen gegeben sein.
Welche Stoffe hätten sich da, in diesem Wettbewerb ganz be—
stimmter Forderungen, dem Meister wohl mehr gefügt als,Tristan
und Isolde“ und „Parsifal“ — die mittelalterlichen Heldenlieder
der weltlichen und der Gottesminne? Ist's ein Zufall, daß
beide schon in unserer großen mittelalterlichen Dichtung ge—
würdigt worden sind, je von dem tiefsinnigsten und von dem
sinnenfreudigsten Dichter der Zeit behandelt zu werden?
„Tristan und Isolde“, 1854 empfangen, stellt sich zu dem
Nibelungenring“ schon auf den ersten Blick dadurch in Gegen—
satz, daß Personenzahl und äußere Handlung aufs denkbar
Einfachste beschränkt sind. Im Vordergrunde stehen eigentlich
nur zwei handelnde Gestalten, die Helden des Titels; alle
anderen Personen gehören dem zweiten und dritten Plane an.
Und nur eine Handlung im engsten Sinne beherrscht das
Ganze: die Liebestragödie Isoldens und Tristans. Und noch
mehr: über die drei großen innerlichen und entscheidenden
Momente, in denen diese Tragödie hervorbricht, wird die Ein—
heit des Ganzen noch hinausgeführt und vertieft, indem im
Grunde nicht einmal die Hauptgestalten, sondern das sich in
ihnen verkörpernde, sie ganz beherrschende eine Gefühl, die
Liebe, zum Diapason des Stückes gemacht wird. Von ihr,
der Frau Minne, die so oft angerufen wird, geht im eigent—
lichsten Verstande die belebende Wärme und die ununterbrochen
einheitliche Wirkung des Stückes aus; wie denn Wagner in
einem Briefe an Liszt bekennt, daß die Sehnsucht nach Liebe
und die Sehnsucht nach dem Tode in der eigenen Brust die