Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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ist damit nicht etwa schon unmittelbar und an sich eine neue 
Weltanschauung entwickelt und dramatisch wirksam geworden: 
neue sittliche und metaphysische Ideale können nur aus den 
tiefsten Tendenzen des Gesamtverlaufs der Kulturerscheinungen 
— V 
idealistischen Drama der Zukunft zu gute gekommen. Denn sie 
führte, indem man an das psychologische Drama der Ver—⸗ 
gangenheit anknüpfte und dessen Anforderungen und Ergebnisse 
nur immer mehr zu vertiefen bestrebt war, zu einem dem 
Charakter des modernen Impressionismus möglichst entsprechen— 
den und darum den Anforderungen der Zeit gemäß exakten 
dramatischen Psychologismus: dieser aber, die volle Erfassung 
der Charaktere des Stückes in ihrer heute erreichbaren seelischen 
Ganzheit, begann erst die wichtigste und unerläßlichste Vor— 
bedingung zu schaffen für ein Drama, das eben diese Voll⸗ 
—DV 
5. In der That hatte sich zunächst, diesen Zusammen— 
hängen vorarbeitend, schon längst ein Drama der Übergangs— 
formen von alt zu neu entwickelt. 
Es hatten sich da ähnliche Dinge abgespielt wie in der 
Geschichte der Kunsterzählung: in starken Massen hatte sich 
neben dem Neuen zunächst das Alte gehalten, und schon diese 
Thatsache hatte die Entwicklung eines Dramas des Übergangs 
begünstigt. Von diesem Alten nun, so trefflich es auch teilweis 
noch war, ist hier nach der ganzen Anlage dieses Buches nicht 
zu sprechen. Wohl aber von den Männern des Übergangs. Mit 
wenig Worten kann da zunächst über Richard Voß (geb. 1851) 
berichtet werden. Seine Dramen „Alexandra“ (1886), „Eva“ 
(1889) u. a. sind Ausläufer der französischen Comédie des 
mours mit einigen Zugeständnissen an die impressionistische 
Technik: eben dieser Kompromißform halber wurden sie seiner 
Zeit viel gegeben und gern gesehen. 
Der klassische Dichter aber des Ubergangsdramas, wie ja 
auch der Übergangserzählung ist Sudermann. Schon das ist 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. Erster Ergänzungsband. 2
	        
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