Tonkunst
Aufbau zu höherem Wert und Glanz sein ganzes Herz erfüllte,
der religiösen.
Denn Wagner war im Tiefsten eine religiöse Natur; und
nur aus seiner Weltanschauung als einem Ganzen ist der wesent—
liche Inhalt seines Lebens zu verstehen. Es ist davon noch später
zu sprechen. Sehen wir aber auf sein äußerliches Werk, wie
wir es soeben in flüchtiger Umschau durchwandert haben, so
springt schon jetzt in die Augen, daß es in zweierlei Richtung
über die Vergangenheit hinausging: es beruhte auf einer bis
dahin unerhört innigen Verknüpfung der redenden und musischen
und — da es dem Theater angehörte — auch der nachahmenden
und der bildenden Künste: es war ein Gesamtkunstwerk; und
weiter: es entwickelte in sich aus der innigen Durchdringung
der Künste, vor allem der redenden und der musischen, eine neue
musikalische Form, die Form der symphonisch-theatralischen
Dichtung.
Hat es damit tieferen Entwicklungsrichtungen Ausdruck ge⸗—
geben? Mit der Beantwortung dieser Frage steht und fällt die
geschichtliche Bedeutung Wagners als Künstler. Wir suchen
diese Frage zunächst für die musikalische Seite, für die sympho—
nische Dichtung zu beantworten. Soll das aber gründlich ge—
schehen, so dürfen wir uns einen kurzen UÜberblick über die
Entwicklung der abendländischen, insbesondere deutschen Musik
seit etwa einem Jahrtausend nicht verdrießen lassen.