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1. Man wird das Bild, das sich für die Entwicklung des
metaphysischen Denkens in neuester Zeit ergeben hat, vielleicht
nicht geradezu verworren, gewiß aber auch nicht einheitlich nennen
können. Monistische und dualistische Richtungen bekämpfen
einander; dabei entsprechen die älteren monistischen Systeme
nicht mehr der seelischen Grundlage der Gegenwart, und die
neueren, welche auf dieser Basis zu bauen suchen, finden den
Boden noch nicht genügend geklärt und gelangen daher nur
zu unvollständigen und phantastischen Strukturen. Das Wesen
einer Übergangszeit macht sich geltend, der Charakter einer neuen
seelischen Kultur beginnt zu wirken, deren Phantasieseite wohl
schon entwickelt ist, deren Willens- und Verstandesseite aber
erst langsam aus dem Dunkel der Zukunft hervortritt.
Wer wird da annehmen wollen, daß in einer solchen Zeit
für Erkenntnis und Wissenschaft klare und gemeingültige Vor—
aussetzungen zu erwarten seien! Ganz das Gegenteil ist der
Fall: denn die Durchbildung der Wissenschaften ist von den all—
gemeinen Grundlagen der Erkenntnistheorie und diese von denen
der Psychologie abhängig. Daß aber die moderne Psychologie
den Anforderungen für eine einheitliche Grundlegung der Er—
kenntnislehre noch nicht gerecht wird, hat eben schon die Ent—
wicklung der Metaphysik ergeben, die ja für die genauere
Definition eines ihrer wichtigsten Begriffe, des Bewußtseins,
ebenfalls von der Psychologie abhängt.
Wie die Mechanik als selbständige Wissenschaft ein Er—
zeugnis des individualistischen Zeitalters ist, so ist die Psycho—