Weltanschauung.
bestimmter seelischer Vorgänge dazu, vor allem erst einmal das
von diesen Vorgängen im allgemeinen genau Erkennbare zu
erforschen und festzulegen. Rüstiger und weitsichtiger Führer
auf diesem Gebiete wurde Wundt: ihm ist deshalb die Psycho⸗
logie an erster Stelle Erforschung der seelischen Thatbestände:
was hinter diesen liegt, bleibt einstweilen der Sorge späteren
Verständnisses überlassen. Und wie unendlich haben Wundt
und seine zahlreichen Schüler in den seit den siebziger Jahren
über die ganze Erde hin entstandenen Instituten für experi⸗
mentelle Psychologie die Kenntnis der psychischen Thatbestände
vermehrt! Schon die erste Auflage der Grundzüge der physio—
logischen Psychologie Wundts vom Jahre 1874 ließ in eine
ganze Welt schauen, die bisher, namentlich auch in der Klarheit
und Exaktheit ihrer Prozesse, unbekannt gewesen war; und jede
spätere Auflage hat neue Reichtümer erschlossen.
So wurde ein Material von ganz anderem empirischen
Charakter zusammengebracht, als es die dürftigen äußerlichen Be—
schreibungen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dargeboten
hatten. Aber es war doch zunächst nur ein Material. Und enthält
es da nun bei aller seiner unendlichen Ausdehnung und Feinheit
schon die klaren Elemente einer Systembildung, die unweigerlich
nur nach einer Richtung hin vorwärts wiese? Hier lauten die
Antworten verschieden, und damit beginnen die Schwierigkeiten
für den Entwurf jedes spezialwissenschaftlichen Gebäudes, das
auf moderner psychologischer Grundlage errichtet werden soll.
Da giebt es eine große Gruppe von Psychologen, die bei der
Erforschung des einfachsten seelischen Vorgangs, bei der bloßen
psychischen Aktualität stehen bleiben, denen die Seele also nur
die Möglichkeit psychischer Vorgänge bedeutet, nichts mehr: so
denken die Engländer schon seit den Begründern ihrer Psycho⸗
logie, den Locke und Hartley, deren Forschungen um etwa zwei
Generationen vor die Psychologie der deutschen Empfindsamkeit
zurückreichen, so der Hauptsache nach die Franzosen und von
deutschen Psychologen der Gegenwari Ebbinghaus und Lipps
und bis vor kurzem auch der in Amerika lehrende Münsterberg,
fowie weiter von den Physiologen Ziehen und von den Physikern