Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Tonkunst. 
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Endiger, ein Eröffner neuer Zeit war der große Meister, so 
betrachtet. 
Und nun tritt die Frage auf: ist diese neue Zeit ge— 
kommen? Hat die Musik so, wie in immer stärkerer seelischer 
Intensivierung auf die Zeiten der Empfindsamkeit die der 
Romantik, und auf die Romantik die Periode der modernen 
Reizsamkeit gefolgt sind, so nach Beethoven eine Periode 
weiteren Fortschritts erlebt? 
Wir können hier zunächst nur nach allgemeinen Eindrücken 
urteilen. Die Musik der sogenannten klassischen Periode, der 
Zeit von Gluck bis Beethoven, versteht und schätzt heute „jeder⸗ 
mann aus dem Volke“. Sie lebt mit uns und ist uns familiär 
geworden. Die Musik der Romantik, von Weber über Spohr 
und Schumann bis auf Wagner in den Werken seiner früheren 
Periode (Rienzi, Holländer, Tannhäuser, Lohengrin), versteht 
auch jedermann und schätzt sie, weiß sie aber doch recht wohl 
von der ihm noch viel heimlicheren klassischen Musik zu trennen. 
Sie ist etwas anderes. Die Musik Liszts und Wagners in 
seiner zweiten Periode (namentlich Nibelungenring, Tristan und 
Isolde, Parsifal) und die Musik von zumeist jüngeren Nach⸗ 
folgern dieser Meister, wie Cornelius, Strauß, Wolf, Bruckner, 
ja auch von Brahms, verstehen viele nicht und schätzen sie des— 
halb weniger: sie ist ihnen zu neu. 
Bedeuten nun diese Abschätzungen zugleich Periodisierungen? 
Nur eine eingehende Untersuchung der Musik der letzten Gruppe 
kann hier unwiderruflich entscheiden.
	        
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