Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Weltanschauung. 
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hunderts zwischen Individuum und Staat entsprang, daß 
eigentlich nur die großen Personen die Geschichte machen, und 
sie wurde sogar neuerdings durch die Entstehung eines Heroen⸗ 
kultes ganz anderen Ursprungs noch einmal wieder verstärkt. 
Als ob, um ein an dieser Stelle leicht kontrollierbares Beispiel 
zu wählen, die neuere Malerei und Dichtung Schöpfungen 
Liebermanns und Liliencrons und vielleicht noch einiger anderer 
Helden wären und nicht vielmehr in ihrem Grundwesen not⸗ 
wendige Erzeugnisse der modernen Reizsamkeit, die ihrerseits 
wiederum zu nicht geringem Teile den sozialen und wirt— 
schaftlichen Wandlungen der Zeit, dem Wirken der „Viel zu 
Vielen“ verdankt wird! Und als wenn ein Liebermann und 
ein Liliencron das lebendige Wirken dieser breiten Grundlage, 
dieses Nährbodens ihres Talentes überhaupt hätten schaffen 
und auch nur erhalten können! Da herrscht noch weiterhin 
die Anschauung nicht von einer notwendigen seelischen Entwicklung 
im Verlauf der Geschichte großer menschlicher Gemeinschaften, 
insbesondere der Nationen, einer Entwicklung, die von Stufe 
zu Stufe führt, sondern vielmehr die Auffassung von einer zu— 
fälligen, womöglich vornehmlich durch die Beziehungen zum 
Ausland bedingten, äußerlichen Geschichte, als deren Träger 
dann freilich am besten der „einseitig, fast mystisch verherrlichte“ 
Staat erscheint. Es ist, als wollte die Wissenschaft in dem 
Leben eines bestimmten tierischen oder pflanzlichen Organismus 
nicht zuerst den typischen Prozessen dieses Organismus, sondern 
dem bestimmten Schicksal eben jenes Baumes, eben dieses 
Tieres nachfragen und darnach allein charakterisieren: die Hunde 
etwa an erster Stelle in Schoßhunde, Haushunde, Hofhunde, 
Schäferhunde einteilen! Da hält man endlich noch vielfach 
an der Ideenlehre fest, wenn man sie auch zumeist ihres 
romantisch⸗transcendenten Wesens entkleidet hat. Denn man sieht 
nicht, daß ihr, auch wenn man dies thut, trotzdem ein rein indi⸗ 
vidualistischer Charakter bleibt, daß sich daher in ihren, nun 
einmal unter den Bedingungen der Transcendenz entwickelten 
Rahmen immer nur einzigartige Ereignisreihen einspannen lassen, 
und daß darum ihr ausschließlicher Gebrauch als Darstellungs—
	        
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