III.
Merkwürdigerweise ist diese letzte Gruppe auf ihre innerste
musikalische Form hin noch wenig untersucht worden; namentlich
die zahlreiche Wagner-Litteratur bietet in dieser Richtung
wenig!. Das Ganze der neuen Musik hat dann neuerdings
Rietsch einer litterarischen Untersuchung unterworfen, indem
er ihre besondere Harmonik, Stimmführung und Rhythmik
festzustellen suchte.
Die Harmonik ist die Lehre von dem Verhältnis der Töne
zu einander; es wird gleichsam das Fleisch, der Stoff des
musikalischen Körpers in seinem jeweils charakteristischen Ge—
halte betrachte. Die Stimmführung spricht von den in sich
zusammenhängenden Tonreihen der menschlichen Stimme wie
der Instrumente, sie handelt von der Muskulatur des musi—
kalischen Körpers. Die Rhythmik endlich faßt das Zeitverhältnis
der Stimmen unter sich, wie dies Zeitverhältnis als Ganzes,
den Rhythmus also der Tonreihen ins Auge. Es ist, als
Das Beste aus der älteren Litteratur scheinen mir gelegentliche
Bemerkungen Liszts, sowie sein großer Aufsatz über den „Fliegenden
Holländer“ (Ges. Schriften Bd. III, Abt. ) zu sein. Man ogl. auch
K. Mayrberger, Die Harmonik R. Wagners, an den Leitmotiven aus
„Tristan und Isolde“ erläutert (1881): eine innerhalb des behandelten
engen Bereichs recht aufklärungsreiche Schrift; und zu ihr ergänzend
M. Arend, Harmonische Analyse des Tristanvorspieles (Bayreuther Blätter
1901, IV.-VIJ. Stück). Im übrigen ist im folgenden vielfach und eingehend
H. Rietsch, Die Tonkunst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahr—
hunderts (Sammlg. musikwiss. Arbeiten Heft III), Leipzig, Breitkopf & Härtel.
1900, benutzt worden.