Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

III. 
Merkwürdigerweise ist diese letzte Gruppe auf ihre innerste 
musikalische Form hin noch wenig untersucht worden; namentlich 
die zahlreiche Wagner-Litteratur bietet in dieser Richtung 
wenig!. Das Ganze der neuen Musik hat dann neuerdings 
Rietsch einer litterarischen Untersuchung unterworfen, indem 
er ihre besondere Harmonik, Stimmführung und Rhythmik 
festzustellen suchte. 
Die Harmonik ist die Lehre von dem Verhältnis der Töne 
zu einander; es wird gleichsam das Fleisch, der Stoff des 
musikalischen Körpers in seinem jeweils charakteristischen Ge— 
halte betrachte. Die Stimmführung spricht von den in sich 
zusammenhängenden Tonreihen der menschlichen Stimme wie 
der Instrumente, sie handelt von der Muskulatur des musi— 
kalischen Körpers. Die Rhythmik endlich faßt das Zeitverhältnis 
der Stimmen unter sich, wie dies Zeitverhältnis als Ganzes, 
den Rhythmus also der Tonreihen ins Auge. Es ist, als 
Das Beste aus der älteren Litteratur scheinen mir gelegentliche 
Bemerkungen Liszts, sowie sein großer Aufsatz über den „Fliegenden 
Holländer“ (Ges. Schriften Bd. III, Abt. ) zu sein. Man ogl. auch 
K. Mayrberger, Die Harmonik R. Wagners, an den Leitmotiven aus 
„Tristan und Isolde“ erläutert (1881): eine innerhalb des behandelten 
engen Bereichs recht aufklärungsreiche Schrift; und zu ihr ergänzend 
M. Arend, Harmonische Analyse des Tristanvorspieles (Bayreuther Blätter 
1901, IV.-VIJ. Stück). Im übrigen ist im folgenden vielfach und eingehend 
H. Rietsch, Die Tonkunst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahr— 
hunderts (Sammlg. musikwiss. Arbeiten Heft III), Leipzig, Breitkopf & Härtel. 
1900, benutzt worden.
	        
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