Tonkunst.
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Gehalt der emporquellenden Gefühle bezeichnet und mit deren
Wandel in linden und schroffen Wirkungen wechselt, — so
schmiegt sich im Aufgehen in die Gefühle das musikalische Ge—
webe des Orchesters und der Singstimmen doch auch dem
dichterisch erforderten dramatischen Ausdruck an als ein Ganzes
mit der Sprache und erhält dadurch — genau wie die Sprache
als Unterlage nur der Dichtung angesehen gelegentlich un—
gleichmäßig, ja zerhackt erscheint — etwas für sich betrachtet
Springendes, Nervöses, Abbrechendes im Vergleich mit der
rein symphonischen Schöpfung. Aber gerade in diesen Mängeln
der Sprache und der Musik, wenn man jede für sich nimmt, zeigt
sich die Einheit des ganzen Kunstwerks und seiner Empfängnis.
Auf dem Gebiete der Musik allein aber war die Wirkung
des Gesamtkunstwerks doch groß genug, um Wagner ahnungs—
voll schon in seiner ersten, klar und deutlich in seiner zweiten
Periode der Entwicklung der neuen Kunst zuzudrängen. Wie
stark dabei Einfluß und direktes Einwirken Liszts war, — wer
will es heuteschon ganz ermessen? Sicher ist, daß Wagner die neue
Technik in vieler Hinsicht doch auch selbständig und auf Grund
eigenster Funde geübt hat: er hat, ein Zeichen des wahren Er—
finders, persönlichen Stil und unverkennbare Eigenart. So hat
Mayrberger darauf hingewiesen, daß Wagner, um bei langen
Sätzen oder Motiven dem Hörer das Bewußtsein der Tonalität
zu erhalten, ein für ihn besonders charakteristisches Mittel an—
wendet, das etwa der rhetorischen Ellipse entspricht. Wie es
nämlich in der Rede möglich ist, in bewegtem Gefühl oder in
aufgeregter Leidenschaft, zuweilen auch der Kürze und Zierlichkeit
halber, ein Wort oder mehrere Wörter auszulassen, um durch
deren dem Hörer zugemutete selbstthätige Ergänzung die
Wirkung zu erhöhen, so löst Wagner häufig die Dissonanzen
der Chromatik nicht stufenweise in eine Konsonanz auf, sondern
verschweigt die Auflösung und hält eben dadurch, daß er sie
dem Hörer zuweist, die diatonische Grundlage aufrecht. Es ist
eins unter vielen Mitteln Wagners, der neuen Musik gerade
den Charakter zu geben, dessen er für sein Drama bedurfte:
wird die Forschung einmal alle diese Mittel systematisch ans