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Tonkunst.
gewesen. Was indes Empfindsamkeit, Romantik und Reiz⸗
samkeit gegenüber der seelischen Eigenart früherer Zeitalter als
gemeinsames Kennzeichen aufweisen, das ist ein immer stärker
in den Vorstellungsbereich gehobenes Nervenleben — von dem
bis zu Weinkrämpfen gesteigerten Freundschaftsdienst der fünf—⸗
ziger und sechziger Jahre des 18. Jahrhunderts an bis zu den
piel feineren, in der Seele gleichsam noch tiefer abgegrabenen,
noch bewußter hervorgerufenen „Sensationen“ der Nervenkünstler
der Gegenwart.
Von dieser Charakteristik des letzten, noch andauernden
psychischen Zeitalters her scheinen sich nun mit einem Schlage alle
Verwandtschaften der Gegenwart mit der Urzeit zu erklären, —
und wir werden deren später noch weit mehr finden, als die des
vorläufig allein berührten ästhetischen Gebietes. Die Urzeit
lebte, wie die Psychologie jedes der sogenannten Naturvölker
zeigt, vornehmlich mit den Nerven; aber sie lebte darin in—
stinktiv: hatte die oberen Schichten gleichsam des Seelenlebens,
die Gebiete der Gefühls- und Verstandesthätigkeit noch nicht
entfernt in der Intensität, die wir kennen, entdeckt. Wie hätten
da die unteren feinsten Regungen der Nervenbahnen schon ins
Bewußtsein gehoben sein sollen? Indem aber die Welt der
gefühls- und der verstandesmäßigen Thätigkeit im Laufe zahl—
reicher Generationen immer mehr vorstellungsmäßig bewältigt
und damit zugleich unendlich bereichert und nüanciert wurde,
drang das letzte Zeitalter allmählich, gleichsam von oben herab,
hindurch durch die Gefühlswelt, vorstellungsmäßig zu den,
sagen wir einstweilen einmal Nerven vor und begann auch
deren Welt nunmehr in eifrigen Entdeckungsfahrten bewußt zu
erobern. Es geschah in Erscheinungen, die — wie man jetzt sieht,
sehr natürlicher, ja notwendigerweise — an das äußere Gewand
der geistigen Zustände der Urzeit erinnern mußten, ohne ihm doch
innerlich auch nur im geringsten zu gleichen: das, was sie von
ihm trennt, ist die in den wandelbarsten und mannigfachsten Er—
scheinungsweisen zu Tage tretende Bewußtheit des Schaffens.
Diese Erklärung ist zunächst nur, was eine noch nicht all—
seitig durch Thatsachen gestützte Darlegung ist: eine Vermutung.