Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

1. Viele der gegen Schluß des vorigen Abschnittes aus— 
gesprochenen allgemein entwicklungsgeschichtlichen Gedanken sind 
einstweilen noch Vermutungen, wenn auch von mancher Wahr⸗ 
scheinlichkeit, und viele werden es auch noch am Schlusse dieses 
Buches bleiben, da zu ihrer endgültigen Kritik eine viel ein— 
gehendere Kenntnis anderer höchst entwickelter Kulturen nötig ist, 
als fie dem Verfasser zur Seite steht. Was vor allem — und wohl 
nicht dem Verfasser allein — fehlt, das ist, wie schon einmal an— 
gedeutet, eine umfassende Kenntnis des seelischen Charakters 
derjenigen ostasiatischen Entwicklungsstufen, die dort noch nach 
den Zeiten durchlaufen worden sind, die unserer Gegenwart 
seelisch entsprechen. Erst eine solche Kenntnis würde mit mehr 
Sicherheit darüber urteilen lassen, inwiefern und in welchem 
Grade unser Zeitalter wirklich schon als ein solches des Ver— 
falles betrachtet werden müsse, — und, verbunden mit einem 
eingehenden Verständnis der Stufen urzeitlicher Kulturen vieler 
anderer Völker, auch erst darüber ein abschließendes Urteil ge— 
statten, mit den Erscheinungen speziell welcher Stufen der 
Urzeit die heutigen Vorgänge eines nervös charakterisierten 
Seelenlebens genauer in Parallele zu stellen seien. 
Das aber läßt sich den Ausführungen gegen Ende des 
odorigen Abschnittes immerhin mit Gewißheit entnehmen, daß 
ein Gesamtkunstwerk im Sinne Wagners und eine Musik wie 
die moderne nur auf einer schon überaus hohen Kulturstufe 
möglich ist — und daß mithin zu ihrem eigentlichen Verständ—
	        
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