1. Viele der gegen Schluß des vorigen Abschnittes aus—
gesprochenen allgemein entwicklungsgeschichtlichen Gedanken sind
einstweilen noch Vermutungen, wenn auch von mancher Wahr⸗
scheinlichkeit, und viele werden es auch noch am Schlusse dieses
Buches bleiben, da zu ihrer endgültigen Kritik eine viel ein—
gehendere Kenntnis anderer höchst entwickelter Kulturen nötig ist,
als fie dem Verfasser zur Seite steht. Was vor allem — und wohl
nicht dem Verfasser allein — fehlt, das ist, wie schon einmal an—
gedeutet, eine umfassende Kenntnis des seelischen Charakters
derjenigen ostasiatischen Entwicklungsstufen, die dort noch nach
den Zeiten durchlaufen worden sind, die unserer Gegenwart
seelisch entsprechen. Erst eine solche Kenntnis würde mit mehr
Sicherheit darüber urteilen lassen, inwiefern und in welchem
Grade unser Zeitalter wirklich schon als ein solches des Ver—
falles betrachtet werden müsse, — und, verbunden mit einem
eingehenden Verständnis der Stufen urzeitlicher Kulturen vieler
anderer Völker, auch erst darüber ein abschließendes Urteil ge—
statten, mit den Erscheinungen speziell welcher Stufen der
Urzeit die heutigen Vorgänge eines nervös charakterisierten
Seelenlebens genauer in Parallele zu stellen seien.
Das aber läßt sich den Ausführungen gegen Ende des
odorigen Abschnittes immerhin mit Gewißheit entnehmen, daß
ein Gesamtkunstwerk im Sinne Wagners und eine Musik wie
die moderne nur auf einer schon überaus hohen Kulturstufe
möglich ist — und daß mithin zu ihrem eigentlichen Verständ—