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Bürger von Iowa handelten; aber Denkschriften waren
leicht zu durchschauende Dinge, deren Herstellung einfach
war. Und die „Wilson-Kommission“ (die Credit Mobilier-
Untersuchungskommission) des Jahres 1872 konnte ihren
weißwaschenden Bericht verfassen, daß „kein Beweis dafür
gefunden werden konnte“, daß im Kongreß oder in den
gesetzgebenden Körperschaften von Iowa Geld für „un-
rechte Zwecke“ ausgegeben worden sei. Aber die gerade vor
dieser Kommission abgegebenen Zeugenaussagen wider-
sprachen rundweg ihren Schlußfolgerungen. Es wurde ent-
hüllt, daß eine ganze Reihe hervorragender Kongreßmit-
glieder plötzlich große Aktionäre der Dubuque- und Sioux
City-Eisenbahn geworden waren*). Blair gründete, als er
die Wiederherstellung der Landbewilligung erlangt hatte,
eine Baugesellschaft unter der Bezeichnung Sioux City-
Eisenbahn-Baugesellschaft und machte durch das bei der
Bauarbeit übliche System wiederholter Betrügereien un-
geheuer große „Profite‘“, die an viele Millionen Dollar
heranreichten. Einige der Eisenbahnen, die Blair ausraubte,
gehören jetzt zu dem Illinois Zentral-System, dessen Macht-
haber Harriman wurde.
Man muß jedoch nicht denken, daß man immer direkt
zur Bestechung seine Zuflucht nahm, um Subsidien, be-
sondere Rechte und Steuerfreiheiten zu erlangen. In den
ersten Stadien der Eisenbahngeschichte war direkte Be-
stechung das gewöhnliche Mittel: aber als die Zeit vorge-
schritten war, wurde das Verteilen von Geld in direkter
Form weniger häufig, und ein weniger rohes, schlaueres
und heimtückischeres Bestechungssystem trat meistens an
seine Stelle. Die Magnaten im Westen fingen an, dem Rate
des Magnaten im Osten zu folgen, der erklärte, daß es
leichter sei, eine gesetzgebende Körperschaft zu wählen als
zu kaufen.
1) Siehe den Abschnitt der Credit Mobilier-Berichte mit der Fe i
„Credit Mobilier und Dubuque und Sioux City“, in welchem die Einzelheite
zeteilt sind.