Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

— 554 — 
voll Mißtrauen gegenüber jeder von den Magnaten auf- 
gestellten Behauptung und immer bereit, unter freundlichen 
Ankündigungen unheilvolle Pläne zu sehen. Überdies war 
die Definition der Magnaten von „vernünftig“ der des 
Volkes in seiner Gesamtheit diametral entgegengesetzt. 
Beträge und Forderungen, die von den Magnaten als „ver- 
nünftiger Ausgleich“ überzuckert wurden, erschienen dem 
Verständnis des Volkes außerordentlich unvernünftig: als 
grobe Erpressungen, denen das Gesetz gebührende Beach- 
tung schenken sollte. 
Allmähliches Zugrunderichten der Mittelklasse 
Auf das Geheiß der Mittelklasse wurden überall Gesetze 
durchgebracht, die sich wenigstens oberflächlich gegen die 
willkürliche Macht der Magnaten und die Konzentration 
der Hilfsquellen richteten. Seit der Unterdrückung und 
Auflösung der großen Arbeiterbewegung des Jahres 1886 
wurden von dieser Seite ernste Angriffe nicht mehr be- 
fürchtet. Aber die Vernichtung der Mittelklassen mußte 
langsam und vorsichtig vonstatten gehn. 
Arbeiteraufstände — politische oder andere — konnten 
durch Gewalt und richterliche Entscheidungen und bei 
den Wahlen durch Bestechung und Betrug vernichtet wer- 
den. Vorkommendenfalls pflegte bei der Unterdrückung 
der arbeitenden Klassen die ganze Mittelklasse mit den 
Interessen der Besitzenden zusammen zu gehen. Doch 
wenn es sich beim Kampf um die Herrschaft nur um die 
Mittelklasse und die Plutokratie handelte, dann hatten 
die Magnaten guten Grund, die Mittelklassen nicht zu offen 
anzugreifen. Das Land wimmelte von Organisationen von 
Gewerbetreibenden, Maklern und kleinen Händlern, und 
im Westen und Süden befand sich als Verbündeter der 
Farmerbund in seiner größten Macht. Diese Mittelklasse 
maßte sich die Bedeutung an, das „Volk“ zu sein. Die von 
ihr benutzte und ausgebeutete Arbeiterklasse besaß, um 
ihre Ansichten zu verbreiten und ihre F orderungen zum 
Ausdruck zu bringen, nur? wenige unbekannte Fachzei- 
tungen und hatte, obwohl sie die ungeheuer große Masse
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.