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schatz sein Gold entzogen und dann in Scheingeschäften
jenes Gold gegen Staatsschuldscheine zurückverkauften.
Die Staatsschatzscheine und Greenbacks, die einen großen
Teil der Umlaufsmittel der Regierung der Vereinigten
Staaten umfaßten, waren in Münze einlösbar. Diese Be-
stimmung wurde so ausgelegt, daß man die Bezahlung in
Gold verlangte. Die Bankiers pflegten dem Unterschatz-
amt der Stadt New York große Haufen von Staatsschatz-
scheinen und Banknoten zu überbringen und sie in Gold ein-
zutauschen. Dieses Gold pflegten sie dann in ihren Ge-
wölben aufzuspeichern. Die Leiter der Regierung be-
merkten diesen Vorgang durchaus und wußten sehr wohl,
daß der Endzweck in der Erzwingung einer Ausgabe von
Staatspapieren bestand. Nachdem die Bankclique die Obli-
gationen erhalten hatte, konnte sie zweierlei tun — sie konnte
eine große Menge derselben mit erhöhtem Kurs an kleinere
Banken, Sparkassen, Versicherungsgesellschaften, an den
Grundbesitz und an Geldanleger im allgemeinen verkaufen,
und sie konnte einen Teil der Ausgabe, der als Basis zur
Ausgabe neuen Umlaufgeldes einbehalten wurde, auch nutz-
bar machen. Die großen Privatbankiers, wie Morgan, hatten
als Hilfe ihre Reihe von Nationalbanken, durch welche die
Obligationsausgaben in Umlaufsgeld verwandelt werden
konnten, und die altehrwürdige Erpressung des doppelten
Zinsennehmens konnte durchgeführt werden.
„Plündern‘“ der Regierung
Im Jahre 1894 war die Regierung dazu gebracht worden,
diesen Bankiers zwei Obligationsausgaben von je 50 Millio-
nen Dollar auszuhändigen. Ihr Gewinn erreichte, wie man
schätzte, mehr als ıo Millionen. Zur Adventszeit des
Jahres 1895 war der Staatsschatz der Vereinigten Staaten
wieder ohne Gold. Wohin war das Gold gekommen, das
die Regierung nur kurze Zeit vorher zu Wucherpreisen er-
worben hatte? Die Berichte der großen Bankhäuser gaben
die Antwort. Gegen Ende Januar hatten 26 Bankhäuser der
Stadt New York in ihren Gewölben einen Schatz von
65 Millionen Dollar in Gold. Gleich darauf belief sich die