Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

564. — 
schatz sein Gold entzogen und dann in Scheingeschäften 
jenes Gold gegen Staatsschuldscheine zurückverkauften. 
Die Staatsschatzscheine und Greenbacks, die einen großen 
Teil der Umlaufsmittel der Regierung der Vereinigten 
Staaten umfaßten, waren in Münze einlösbar. Diese Be- 
stimmung wurde so ausgelegt, daß man die Bezahlung in 
Gold verlangte. Die Bankiers pflegten dem Unterschatz- 
amt der Stadt New York große Haufen von Staatsschatz- 
scheinen und Banknoten zu überbringen und sie in Gold ein- 
zutauschen. Dieses Gold pflegten sie dann in ihren Ge- 
wölben aufzuspeichern. Die Leiter der Regierung be- 
merkten diesen Vorgang durchaus und wußten sehr wohl, 
daß der Endzweck in der Erzwingung einer Ausgabe von 
Staatspapieren bestand. Nachdem die Bankclique die Obli- 
gationen erhalten hatte, konnte sie zweierlei tun — sie konnte 
eine große Menge derselben mit erhöhtem Kurs an kleinere 
Banken, Sparkassen, Versicherungsgesellschaften, an den 
Grundbesitz und an Geldanleger im allgemeinen verkaufen, 
und sie konnte einen Teil der Ausgabe, der als Basis zur 
Ausgabe neuen Umlaufgeldes einbehalten wurde, auch nutz- 
bar machen. Die großen Privatbankiers, wie Morgan, hatten 
als Hilfe ihre Reihe von Nationalbanken, durch welche die 
Obligationsausgaben in Umlaufsgeld verwandelt werden 
konnten, und die altehrwürdige Erpressung des doppelten 
Zinsennehmens konnte durchgeführt werden. 
„Plündern‘“ der Regierung 
Im Jahre 1894 war die Regierung dazu gebracht worden, 
diesen Bankiers zwei Obligationsausgaben von je 50 Millio- 
nen Dollar auszuhändigen. Ihr Gewinn erreichte, wie man 
schätzte, mehr als ıo Millionen. Zur Adventszeit des 
Jahres 1895 war der Staatsschatz der Vereinigten Staaten 
wieder ohne Gold. Wohin war das Gold gekommen, das 
die Regierung nur kurze Zeit vorher zu Wucherpreisen er- 
worben hatte? Die Berichte der großen Bankhäuser gaben 
die Antwort. Gegen Ende Januar hatten 26 Bankhäuser der 
Stadt New York in ihren Gewölben einen Schatz von 
65 Millionen Dollar in Gold. Gleich darauf belief sich die
	        
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