Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Summe, alles in allem gerechnet, auf 129 Millionen Dollar. 
Die Regierung schrie auf in Hilflosigkeit; man erzählte, 
daß Präsident Cleveland privatim gesagt habe: „Die Banken 
haben das Land bei der Gurgel gepackt.“ 
Im geeigneten Moment trat ein Syndikat von Bankiers 
öffentlich auf und bot der Regierung großmütig an, sie gegen 
Obligationen mit Gold zu versehen. Dieses Syndikat wurde 
gebildet von J. P. Morgan. & Co., August Belmont & Co., 
als Vertreter der Rothschilds James Speyer, der National 
City-Bank und vier andern, außerordentlich mächtigen 
Nationalbanken. 
In den Verhandlungen mit Präsident Cleveland über die 
Ausgabe der Obligationen war Francis Lynde Stetson, der 
seit dem Jahre 1887 regelmäßig Morgans Rechtsbeistand ge- 
wesen war, sein Abgesandter und kluger juristischer Ver- 
treter. Stetson war Jacob Sharps Anwalt gerade zu der Zeit 
gewesen, als Sharp im Jahre 1884 den New Yorker Magistrat 
durch Zahlung von 500 000 Dollar dahin gebracht hatte, 
ihm ein Privilegium für eine Broadwaystraßenbahn zu 
geben. Auf Grund seiner Tätigkeit bei Sharps Unter- 
üchmungen wurde er im Jahre 1886 von der Senatskom- 
mission des Staates New York einem strengen Verhör über 
die Broadway-Eisenbahn unterworfen. Nachdem Sharp 
die New Yorker Aldermen mit Erfolg bestochen hatte, ver- 
suchten Elkins und Widener, die ihrerseits den Gemeinderat 
von Philadelphia und die gesetzgebenden Körperschaften 
von Pennsylvania bestachen und Multimillionär-Magnaten 
von Straßeneisenbahnen wurden, die Broadway-Eisen- 
bahn (wenn auch diesmal ohne Erfolg) für einen Zeit- 
taum von 999 Jahren zu pachten; afs Unterpfand ihrer 
Süten Gesinnung deponierten sie 10000 Anteilscheine 
der Broadway-Aktien, die sie sich verschafft hatten, bei 
Drexel, Morgan & Co.!) Morgan wußte, daß jeder ein- 
Zige dieser Anteilscheine durch Bestechung erworben und 
daß das ganze Broadway-Privilegium so erlangt worden 
war, Vielleicht war Stetsons ausgezeichnete und geschickte 
A *) Siehe Testimony of James W, Forshay, President of the Broadway and Seventh 
venue Railroad Company, New York Senate Committee on the Broadway Railroad, 
1886, 491—402.
	        
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